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Kinokritik: Blade Runner 2049

Derzeit läuft die Fortsetzung des Sci-fi-Klassikers "Blade Runner" in den Kinos. Meisterwerk oder nur ein schlechter Teil 2? Hier gibt es die Antwort.
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Man könnte meinen, Harrison Ford darf alle prägenden Rollen, die er in jungen Jahren gespielt hat, wieder aufgreifen. Aktuell läuft die Fortsetzung eines Sci-fi-Klassikers aus dem Jahr 1982 in den Kinos: Blade Runner. Lohnt sich der Streifen oder handelt es sich nur um eine weitere Ausgeburt des ideenlosen Hollywood, das eine Fortsetzung nach der nächsten produziert? Wir waren für euch im Kino und haben nachgesehen.

Story

Wie schon bei Star Wars machte man hier das Altern des Filmes und seiner Protagonisten zu einem Aspekt des Filmes und lässt die Fortsetzung von Blade Runner 30 Jahre nach dem ersten Teil spielen. Im Jahr 2049 wurden fast alle alten Replikanten durch neue, bessere ersetzt. Dabei handelt es sich ebenfalls um genetisch gezüchtete Wesen, die dem Menschen sehr ähnlich sind aber deutlich stärker daher kommen- und die nicht lügen und immer gehorchen. Für K ist diese Welt Alltag, denn als Blade Runner spürt er alte Replikanten auf und “versetzt sie in den Ruhestand”. Bei einem Routineauftrag stößt er jedoch auf ein Zeichen aus der Vergangenheit und wenig später stößt er immer tiefer in die Geheimnisse des größten Konzerns der Welt vor – was nicht lange unbemerkt bleibt.

Tränen im Regen

Dem originalen “Blade Runner” von Regisseur Ridley Scott wird oft vorgeworfen, er sei überbewertet und eine dürftige Story werde philosophisch verklärt. Darüber mag man sich streiten, der neue Film kommt jedoch mit einer deutlich gradlinigeren Geschichte daher, die sich in weiten Teilen wie eine klassische Detektivstory gestaltet. Der vor allem durch Thriller und intelligente Filme bekannte Regisseur Denis Villeneuve setzt mehr auf die Akteure als auf philosophische Gespräche, wobei hier und da erzählerische Anleihen an das Original nicht ausbleiben. Es wird aber eine gewisse Balance gewahrt zwischen Elementen des Originalfilmes und Neuem, was nicht zuletzt durch eine veränderte und durchaus mutige Figurenkonstellation geschieht. Aber dazu später mehr. Was man vielleicht noch anmerken sollte: Der Film dauert fast drei Stunden und nimmt sich viel Zeit! Oft wird nicht viel gesprochen und das Erzähltempo erinnert mehr an Serien als an Kinospektakel. Ein Sci-fi-Drama kann man das schon fast nennen, wenn man Ryan Gosling dabei zuschaut, wie er drei bis vier Minuten lang durch eine verlassene Industrie-Ruine schleicht.

Zwischen Neon und Nebel

Die Optik des Filmes gehört zu dem Besten, was das Science-Fiction Genre seit Langem gesehen hat. Die Zukunft erscheint in flirrendem Neonlicht und abstrakter Architektur mit seltsamen Lichtkonzepten. Damit wird die Tradition des alten Filmes fortgesetzt und sogar noch übertroffen. Kein Wunder: Kameramann Roger Deakins kümmerte sich um den Zukunftslook. Er spielt gekonnt mit Licht und Schatten und spiegelt damit die Charaktere wider, die ebenfalls von Licht und Schatten erfüllt sind und in einer entmenschlichten Welt leben, in der Replikanten den Status von Sklaven haben. Die Effekte sind große Klasse und wie schon bei Star Wars werden Computereffekte wirkungsvoll mit Kulissen und Requisiten ergänzt, sodass ein sehr realistisches Bild einer dystopischen Zukunft gezeichnet wird, an dem man sich nicht sattsehen kann.

Darsteller

Ich habe im Vorfeld gelesen, dass das Drehbuch um Ryan Gosling geschrieben wurde und nie ein anderer in Betracht kam. Das kann man sich vorstellen, denn er passt sehr gut in die Rolle des kalten Ermittlers, der beginnt, an sich und an der Menschlichkeit zu zweifeln. Hier und da schimmert Goslings Spiel aus dem Film “Drive” durch, denn seine Rolle ist auch hier schweigsam und neutral mit heftigen emotionalen und gewalttätigen Ausbrüchen.

Aber auch die anderen Darsteller machen ihre Sache sehr gut. Robin Wright ist man aus “House of Cards” in der Rolle der starken Chefin gewohnt und Harrison Ford gibt dem geheimnisvollen Alten die richtige Menge Verbitterung und trockenen Humor. Besonders hervorzuheben sind hier aber noch Ana de Armas und Sylvia Hoeks, die beide keine Menschen spielen und das absolut beeindruckend und auf völlig verschiedene Weise. Aber mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Fazit

Schaut euch Blade Runner 2049 an – am besten im Kino! Die Optik ist der Wahnsinn und wer auf Sci-fi steht und einem etwas ruhigeren Film nicht abgeneigt ist, der wird auf jeden Fall Gefallen daran finden. Wir wurden die drei Stunden lang sehr gut unterhalten und es ist schön zu sehen, dass es hier und da noch Filme zum Mitdenken gibt. Denn der Film gibt ständig Hinweise, ohne jedoch explizit etwas vorweg zu nehmen. Definitiv kein Film für nebenbei, denn Aufmerksamkeit werdet ihr brauchen. Ja, Blade Runner ist in Würde gealtert, ohne dabei alt auszusehen – im Gegenteil.

 

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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