Netzwelt

Photography on a Budget #4

Solides Telezoom für eine schmale Mark
| Moritz Janowsky |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Im ersten Teil dieser Serie stellten wir euch bereits ein günstiges Telezoom-Objektiv für Canon-Systeme vor. Das Tamron AF 70-300mm*, welches für etwa 100€ zu erhalten ist, konnte vor allem in Bezug auf den geringen Anschaffungspreis punkten. Die erzielten Resultate waren grundsätzlich als brauchbar zu bezeichnen. Betrachtete man aber eine Aufnahme, welche bei vollem Zoom entstanden ist, fallen schnell chromatische Aberrationen an Objektkanten auf und mit der Schärfe steht es auch nicht zum Besten. Was beim Gebrauch jedoch vor allem störte, war die variable Blende. Bei einer Brennweite von 70mm kann man noch von einer verhältnismäßig lichtstarken f/4-Blende profitieren, zoomt man jedoch auf 300mm, steht einem nur noch eine Offenblende von  5,6 zur Verfügung. Dieser Umstand zog eine fortwährende Korrektur von ISO und Verschlusszeit nach sich. Eine Alternative musste her, natürlich eine möglichst preiswerte.

Im letzten Teil unserer Serie stellten wir euch zwei Vintage-Objektive aus Canon’s FD-Reihe vor, die sich mittels Adapter auch an modernen Kameras verwenden lassen. Der Vorteil an der Adapterlösung war, dass man für einen sehr geringen Anschaffungspreis eine sehr gute Abbildungsleistung erhält, welche sich mit vielfach teureren modernen Gläsern messen kann. Aus diesem Grund schauten wir auch dieses Mal wieder ins Vintage-Regal, um einen Nachfolger für das besagte Tamron-Objektiv zu finden. Die Wahl fiel auf das Canon FD 75-200mm 1:4,5*, welches wir für 29€ in einem örtlichen Fotogeschäft erstehen konnten. Bei einem Blick auf eine Übersicht zu allen erschienenen FD-Objektiven von Canon fällt auf, dass damals mehrere leicht unterschiedliche Telezoom-Objektive im Bereich der klassischen 70-200mm-Brennweite erschienen sind. Da wir bisher nur mit dem 75-200mm 1:4,5 Erfahrungen gesammelt haben, beziehen wir uns im folgenden Artikel auch nur auf dieses Modell.

Bei erster Betrachtung unterscheidet sich das Objektiv in Sachen Verarbeitung und Aufmachung nicht von den zuvor getesteten Objektiven aus der FD-Serie. Sämtliche Bedienelemente laufen trotz des Alters sehr sauber und lassen sich ohne Probleme handhaben. Gewöhnen  muss man sich jedoch zunächst an die Schiebemechanik, welche die Brennweite regelt, denn im Gegensatz zu modernen Linsen, verschiebt man den vorderen Teil des Objektivs komplett, um eine Einstellung zu finden. Was für einen Fotografen nach kurzer Eingewöhnung kein großes Problem darstellen sollte, könnte einem Videografen, welcher auf einen Follow-Focus angewiesen ist, schon mehr Kopfzerbrechen bereiten. In diesem Fall ist das FD 70-200mm wie eine variable Festbrennweite zu handhaben. Vor dem Anbringen der Schärfezieheinrichtung muss man sich für eine Brennweite entscheiden, oder auf das Helferlein verzichten.

Kommen wir nun aber zu dem wohl interessantesten bzw. wichtigsten Punkt. Wie schlägt sich das Objektiv bei der Abbildungsleistung? Vergleicht man die Ergebnisse mit dem zuvor erwähnten Tamron AF 70-300mm, fallen direkt die nicht vorhandenen chromatischen Aberrationen auf. Natürlich ist das alte Canon-Glas nicht vollkommen frei von diesen störenden Bildeffekten, im Vergleich zu einem deutlichen violetten Schein an Ecken und Kanten, findet sich aber nur ein leicht rosanes Schimmer, der erst bei deutlicher Vergrößerung wirklich erkennbar wird. Wirklich erschreckt hat uns jedoch das unterschiedliche Kontrastverhalten. Während das Tamron bei Aufnahmen mit leichtem Gegenlicht deutliche Flares und dadurch einen reduzierten Kontrast aufweist, schlägt sich das Canon im direkten Vergleich geradezu meisterhaft. Zudem erweist sich die durchgehende Blende, wie schon erwartet, als praktisch, da bei unterschiedlichen Brennweiten nicht mit Verschlusszeit oder ISO korrigiert werden muss. Die Schärfe der gemachten Bilder ist nicht so überragend scharf, wie wir es zum Beispiel vom FD 50mm 1:1,8 gewohnt sind, leistet sich aber auch bei geöffneter Blende keine Schwächen. Natürlich kann in diesem Punkt kein ähnliches gutes Ergebnis wie bei den Festbrennweiten erwartet werden, da es sich nunmal um ein Zoom-Objektiv handelt. Ebenfalls interessant war für uns das Bokeh der Vintage-Linse. Auch hier betritt man gewohntes Terrain und erhält eine nicht überdurschnittlich weiche, dafür aber sehr natürliche Unschärfe.

Zusammengefasst erhält man hier zu einem regelrechten Spottpreis ein sehr brauchbares Zoomobjektiv mit hervorragender Abbildungsleistung, das sehr variabel einsetzbar ist, solange man sich mit der Schiebemechanik anfreunden kann. Online werden entsprechende Modelle für ca. 25-60€ gehandelt. Mit ein wenig Geduld sollte sich jedoch ein Angebot um die 30€ finden lassen. Wer bereit ist, etwas mehr zu investieren, sollte sich auf jeden Fall auch das Canon FD 80-200mm 1:4* näher ansehen, welches für ca. 50-100€ gehandelt wird.

 

*Hinweis: Warum führt die Verlinkung zu einem Verkaufsangebot? Hierbei handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Solltet Ihr Euch entscheiden, diese zu nutzen und den Artikel auf diesem Weg zu erwerben, erhalten wir eine kleine Provision. Auf diese Weise könnt Ihr uns in unserer Arbeit unterstützen. Um möglichen Irrtümern vorzubeugen, möchten wir diesen Vorgang klar propagieren und für unsere Leser so transparent wie möglich halten.

Noch mehr Stories? Folge seitenwaelzer:

Moritz Janowsky

"Sitzt gerne in schlecht klimatisierten Kinosälen auf unbequemen Sesseln und fotografieren kann er auch (nicht)"

Die Jagd nach meinen Daten

Chernarus Diaries – DayZ Episode #1

Charles Dickens: Die innere Waise

Die Handschrift ist tot, es lebe die Handschrift

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies, mit der Nutzung unserer Webseite erklärst du dich damit einverstanden. Hier gibt's weitere Infos.