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Versuchst du gerade, deinen Finger durch deine Hand zu schieben?

Lucid Dreaming - 30 Tage voller Träumereien
| Patrick Schuster |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

6 bis 8 Stunden Schlaf bekommt jeder Deutsche im Schnitt pro Nacht. Das sind knapp 2200 bis 2900 Stunden pro Jahr und insgesamt etwa ein Viertel bis Drittel unseres Lebens. Die meisten stehen morgens auf und haben innerhalb der ersten 10 Minuten vergessen, was die letzte Nacht in ihrem Kopf passiert ist. Aber nicht ich, zumindest nicht diesen Monat, denn dieses Mal drehte sich bei mir alles um das Thema “Lucid Dreaming”, zu deutsch: Luzides Träumen.

Im Kern dreht geht es beim luziden Träumen darum, sich innerhalb seines Traumes der Tatsache bewusst zu sein, dass man gerade träumt. Man schafft damit eine Art “Traum-Bewusstsein”, das es einem ermöglicht, in seinen Träumen bewusste Entscheidungen treffen zu können. Viele von euch haben das wahrscheinlich selbst schon einmal erlebt, jedoch kommt regelmäßiges “Klarträumen” nicht besonders häufig vor.

Es kann unterschiedliche Gründe geben, diesen Zustand herbeiführen zu wollen. Klarträume sollen laut unterschiedlichen Erfahrungsberichten deutlich lebendiger und realistischer wirken als übliche Träume. Kombiniert mit der Tatsache, dass die Grenzen der Realität denen der Fantasie weichen, ergeben sich schier unendliche Möglichkeiten. Für einige kann es aber auch ein Werkzeug zur Angstbewältigung sein. Klarträume können sowohl für das Überwinden wiederkehrender Albträume, als auch für das Bekämpfen real existierender Ängste genutzt werden. Mehr dazu findet ihr in der unter dem Artikel angegebenen Literatur.

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Um mich selbst mit dem Thema intensiv zu befassen, habe ich innerhalb des vergangen Monats unterschiedliche Informationsquellen durchforstet und habe mich an verschiedenen Techniken probiert, die dabei helfen sollen, regelmäßiger Klarträume zu erfahren.

Maßnahme #1 – Selbstprogrammierung

Sich mit dem Thema “lucid dreaming” näher zu befassen und sich bewusst zum Ziel zu setzen, dass man einen luziden Traum erleben möchte, ist ein erster aber wichtiger Schritt. Dabei gilt es nicht nur, für sich selbst festzustellen “Ja, wäre schon irgendwie mal cool.”, sondern sich jeden Abend beim Einschlafen darüber Gedanken zu machen, dass man gleich einschläft und einen Klartraum erleben will. Dabei kann beispielsweise helfen, sich darüber Gedanken zu machen, was man mit der neu erlangten “Traum-Freiheit” tun möchte. Ob man gerne ein Rockkonzert vor 1 Mio. Fans spielen, einen Fallschirmsprung machen, ins All fliegen möchte (oder was einem sonst noch so einfällt (; ).

Maßnahme #2 – “Reality Checks”

Eine weitere, deutlich proaktivere Möglichkeit, die Chance auf einen Klartraum zu erhöhen, ist es, im Laufe des Tages “Realitäts-Checks” durchzuführen. Dabei soll kritisch hinterfragt werden, ob man sich gerade in einem wachen Zustand befindet, oder träumt. Ein Klassiker ist dabei, zu versuchen, den Finger der einen Hand durch die Handfläche der anderen zu schieben, was in einem Traum prinzipiell möglich wäre. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, im Kopf den Ablauf des aktuellen Tages zu rekonstruieren. Da in Träumen oft die Szenerie durch bloßes Umdrehen oder durch eine Tür gehen verändert wird, fehlt ihnen der “rote Faden” eines normalen Tagesablaufes. Das häufige Wiederholen dieser Technik soll dazu führen, dass wir ebenfalls anfangen, diese “Reality Checks” im Traum durchzuführen und dadurch einen Klartraum erzeugen.

Maßnahme #3 – Traumtagebuch führen

“Das würde bei mir nicht funktionieren, ich kann mich nie an meine Träume erinnern.” Habe ich diesen Monat unzählige Male von Freunden gehört, mit denen ich mich über das Thema unterhalten habe. Ich gebe zu, hat es bei mir am Anfang auch nicht. Aber der bewusste Versuch, sich jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen an die Träume der vergangenen Nacht zu erinnern, hat bei mir in der ersten Woche dazu geführt, dass ich an 3 von 7 Tagen Einträge in mein Traumtagebuch machen konnte. In der letzten der vier Wochen waren es 5 von 7 Tage. Dazu sei noch gesagt, dass das Abtippen am Laptop bei mir jeden Morgen mindestens 10 Minuten in Anspruch genommen hat, im Regelfall eher 15 Minuten.

Diese Technik soll dabei helfen, sich wiederkehrenden Mustern im Traum bewusst zu werden, sodass man den Traum leichter als Traum identifizieren kann. Bei wir waren das beispielsweise apokalyptische Szenarien. Weltuntergänge und Zombieapokalypsen waren in 5 von 30 Nächten in meinen Träumen vertreten (Psychologiestudenten, viel Spaß beim analysieren).

Dazu möchte ich noch sagen, dass diese Methoden einen “trainierenden” Charakter haben. Es besteht keine Garantie dafür, dass ihr es im ersten Monat schafft, einen luziden Traum zu haben. Aber häufiges Praktizieren hilft dabei, mit der Zeit eure Chancen zu verbessern.

Was habe ich für mich aus diesem Monat gewonnen?

Ich habe es durch regelmäßiges Praktizieren im vergangenen Monat ein Mal geschafft, einen luziden Zustand im Traum zu erreichen. Das war ein wahnsinniges Gefühl. Der dumpfe Schleier, der sonst oft über meinen Träumen hängt, war wie weggeblasen und die gesamte Erfahrung hatte einen unfassbar realistischen Charakter.

Dieser Artikel, den ihr gerade lest, kratzt gerade einmal an der Oberfläche. Jedem, der sich ernsthaft damit auseinandersetzen möchte, kann ich nur wärmstens empfehlen, ausführliche Recherche zu betreiben, vielleicht auch ein Buch zu dem Thema zu lesen. Denn nicht anders als bei vielen anderen Fähigkeiten hängt der Erfolg hier auch von einer intensive Auseinandersetzung mit der Thematik und regelmäßigem Üben ab.

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Für mich verbleibt nach diesem Monat immer noch die Frage, was durch diese Technik alles möglich ist. Ich habe noch lange nicht den gesamten Kaninchenbau erforscht, der sich mit dem Schließen meiner Augen öffnet. Und wie bei Alice, wird meine erste Reise ins Wunderland bestimmt nicht meine letzte gewesen sein.

Und wovon träumt ihr nachts?

 

Weiterführende Literatur:

http://users.telenet.be/sterf/texts/other/exploring_the_world_of_lucid_dreaming.pdf

 

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Patrick Schuster

Schönen guten Abend meine Damen und Herren, ich bin Patrick und mittlerweile seit ein paar Jahren im seitenwaelzer.de-Team. Ich bin aktives Mitglied unseres Spontan-Spontan-Podcasts und schreibe sonst viel im Bereich Technik und Innovation.

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