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T-Rex in Vietnam – Review „Primitive War“
Soldaten vs. Dinos: Dieses B-Movie beißt sich mit viel Herz und Action in seinem absurden Konzept fest.
Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
© Primitive WarEine US-Militäreinheit muss feststellen, dass im Dschungel prähistorische Jäger lauern. Doch kampflos werden die Soldaten nicht zur Beute. Also heißt es „Feuer frei“ – auf Dinos.
Eine ausgestorbene Gattung
Dinosaurier faszinieren Groß und Klein. Unzählige Dokus beschäftigen sich mit den Ur-Giganten wie dem Tyrannosaurus Rex, Stegosaurus oder Velociraptor. In Spielfilmen tauchen Dinos jedoch selten auf. Jurassic Park ist das einzige große Franchise. Godzilla fällt als Kaijū und große Echse eher in eine Grauzone. Ansonsten werden Dinos meist nur vereinzelte Sequenzen gewidmet, etwa in King Kong. Adam Driver kämpft in 65 noch gegen Dinos – mit Sci-Fi-Waffen, kurz vor Einschlag des Meteoriten.
Primitive War ist schon deswegen ein Exot. Das trashige Konzept tut sein Übriges. Mit seinen „nur“ 7 Millionen US-Dollar Budget sieht der Streifen jedoch stimmig und keinesfalls billig aus. Der Australier Luke Sparke (Occupation) hat hier etwas geschaffen, in dem offenkundig jede Menge Herz steckt. Sein Werk gehört in eine ausgewählte Riege von wilden Genre-Mixes, die vollkommen in ihrem Konzept aufgehen. So entsteht besondere, weil von gängigen Regeln befreite Unterhaltung. Weitere Beispiele hierfür sind etwa The Gorge, Shadow in the Cloud oder Operation: Overlord.
Gejagt im Dschungel

Die zugrundeliegende Aufklärungsmission der Soldaten ist simples Mittel zum Zweck. Mit dem Vietnamkrieg beziehungsweise dessen Hintergründen wird sich selbstredend gar nicht beschäftigt. Zur Erinnerung: Soldaten vs. Dinos. Wird zum Finale eine „Erklärung“ für die Anwesenheit der Dinos dargeboten, ist diese zugleich plausibel wie absurd. Sie passt daher hervorragend zum bewusst überzogenen Stil.
Die Schauspielleistungen in Primitive War sind limitiert. Australier mimen mit stellenweise auffälligem Akzent amerikanische Soldaten. Dialoge sind nun wahrlich keine Seen der Tiefgründigkeit. Die Motive der Figuren sind meist der Befehlskette untergeordnet. Dazu gesellt sich eine kleine Prise Heldenmut.
Insgesamt schlägt sich die Truppe aber passabel. Niemand nervt – vom bewusst unsympathischen Vorgesetzten abgesehen. Manche Charaktere bekommen zumindest einen kleinen individuellen Hauch. Wenn blutrünstige Dinos nach Menschen schnappen, sind die Sympathien sowieso schnell pro Team Menschen.
Strobo bis zur Urzeit
Über 130 Minuten sind für ein B-Movie eine fast schon abstruse Laufzeit. Primitive War hat dabei erstaunlich wenig Längen. Nach einer Stunde stellt sich zwar die Frage: Wie soll die aufregende Hatz jetzt noch weiter variiert werden, ohne sich zu wiederholen? Das erfrischende Szenario ist ja nun bekannt. Doch genau hier löst der Film jede noch vorhandene Handbremse. Besonders in der zweiten Hälfte wird der Film von Minute zu Minute besser.
Das trashige Konzept funktioniert vor allem, weil es nicht billig wirkt. Im Gegensatz zum schlechten Jurassic Word: Die Wiedergeburt brechen keine grausigen Computereffekte die Illusion. Die Dinos in Primitive War sind gut animiert. Sie gehen in einem stimmigen Setting auf, in dem auch digitale Hintergründe harmonisch in der gesamten Komposition verschmelzen.
Gewarnt seien Menschen, die an Epilepsie leiden. Primitive War spielt viel bei Dunkelheit. In einigen Sequenzen dienen nur das Mündungsfeuer der Waffen oder Blitze als Beleuchtung. Das sorgt für rasche Bildwechsel und erzeugt damit Strobo-Effekte.
Krachend wie ein Komet

Die Action ist dynamisch inszeniert, ohne dabei anstrengend zu werden. Sie hat eine fast elegante Form von überforderndem Chaos. Das ist nur konsequent, denn prähistorische Jäger treffen auf panische, schießwütige Menschen. Deren Waffenmagazine sind nicht unbegrenzt groß. Jedoch hat gefühlt jeder Soldat nicht enden wollende Munition. Was hier verballert wird, würde locker für eine ganze Kompanie reichen.
Die Waffen lassen zudem kräftig Blut spritzen. Noch brutaler wird es, wenn Dinos Menschen ausweiden oder sogar Innereien fressen. Fans von Splatter bekommen einige knackige Momente geboten, handgemachte Effekte inklusive. Ansonsten fügen sich digitale Blutfontänen passend ein. Der Gewaltgrad ist hoch, ohne komplett auszuarten. Er passt ideal zum abgedrehten Ton des gesamten Films.
Der Sound ist dabei vor allem eins: satt. Jeder Schritt vom T-Rex rumst gewaltig. Wenn der König der Dinos brüllt, dann so richtig. Waffen rattern geräuschvoll, während Kugeln in gutem Surround einschlagen. Explosionen lassen den kompletten Raum erzittern. Dialoge gehen im massiven Bass-Dauerfeuer dagegen etwas unter. Ein echtes Highlight ist das mehr als stumpfe Schnappgeräusch des T-Rex, das königlich den Trash-Faktor hervorhebt.
Achtung, bissig!
Primitive War bietet kreative, gekonnte Bilder. Nahaufnahmen der Soldaten, Top-Shots von Helikoptern oder die Weite des Dschungels wissen zu überzeugen. Besonders zu Beginn zeigt der Film einige Aspekte nur selten, wie Kugeltreffer an den Dinos. Was am Budget gelegen haben wird, erzeugt eine ähnliche Wirkung wie bei Der weiße Hai. Zum einen lauert die Gefahr öfter im Verborgenen, was die Spannung erhöht. Zum anderen hebt sich der Streifen so frische Bilder für das immer weiter ausufernde Gemetzel auf.

Zum Finale lässt Primitive War dem Chaos komplett freien Lauf. Dinos verbiegen Panzerrohre. Menschen köpfen Dinos. Ganze Areale explodieren. Blitze zucken am Himmel. Schwere Waffen donnern. Der Soundtrack läuft zur epischen Höchstform auf. Alles schnappt, schießt und hackt auf jeden. Es ist der pure Genuss für Fans von abgefahrenem Spektakel.
Eine Sequenz sticht im Finale noch einmal besonders heraus. Wenn Dinos wie eine Horde Zombies auf Soldaten losstürmen, sieht das in Slow-Motion mehr als beeindruckend aus. Dazu gesellen sich Bullet Time wie in Matrix und das Tackling eines Velociraptors – wie beim American Football. Diese Ideen und Bilder, samt orchestraler Chöre, gehören wohl zum Kreativsten, was Film so zu bieten hat.
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Daniel Rublack
… schreibt vor allem über Filme. Arbeitet in der „Presse und Kommunikation“ und unterstützt daher mit entsprechendem Know-how.
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Tags: ActionblutChaosDinosaurierfressenSoldatenT-RexTrashVietnam