Kino & Serie / Kultur und Medien

Fliegende Wohnungen und Kammerspiele – herausragende deutsche Serien

Vielleicht ist es dem einen oder anderen aufgefallen: Wir blicken bei den meisten Serienvorschlägen weit weg, egal, ob wir die spannenden amerikanischen, oder die aufwändigen britischen Produktionen empfehlen. Aber hat Deutschland nicht auch etwas zur Serienwelt beigetragen? An dieser Stelle möchte ich die, meiner Meinung nach besten deutschen Fernsehserien empfehlen.
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Vielleicht ist es dem einen oder anderen aufgefallen: Wir blicken bei den meisten Serienvorschlägen weit weg, egal, ob wir die spannenden amerikanischen, oder die aufwändigen britischen Produktionen empfehlen. Aber hat Deutschland nicht auch etwas zur Serienwelt beigetragen? An dieser Stelle möchte ich die, meiner Meinung nach besten deutschen Fernsehserien empfehlen.

Es wäre weit hergeholt zu sagen, dass es in Deutschland keine bekannten Serien gäbe, schließlich kommt der „Tatort“ auf immer höhere Zuschauerzahlen und es kommt einem vor, als sitze jeder vierte Deutsche am Sonntag vor dem Fernseher und sehe den verschiedenen Kommissaren beim Lösen ihrer Fälle zu. Doch zeichnet sich eine Qualitätsserie nicht vielleicht dadurch aus, dass sie sich von anderen Serien ähnlichen Formates absetzt? Denn wenn es in Deutschland irgendetwas zur Genüge gibt, dann sind es Krimisendungen. Was ist mit einem Kinoreifen Thriller mit einer durchgehenden Handlung, wie „Breaking Bad“ oder „Broadchurch“ es vormachen? Oder eine Science-Fiction- beziehungsweise Fantasy-Serie? Leider geht der letzte Versuch so etwas zu produzieren weit zurück und brachte uns das Star-Trek-Äquivalent „Raumpatrouille Orion“, eine Schwarz-Weiß-Serie aus den 1960er Jahren.

Es musste also eine lange Zeit der Sonntagabend-Krimis und „Türkisch für Anfänger“ vergehen, in der die Büro-Komödie „Stromberg“ mit Christoph Maria Herbst der einzige Lichtblick war. Bis eines Tages…

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Eine kleine Gruppe von Filmemachern auf die Idee kam, die beiden Kurzfilme „Aus den Sterntagebüchern des Ijon Tichy I + II“ zu produzieren. Die Story basiert dabei auf der Erzählung „Die Sterntagebücher“ des Science-Fiction-Urvaters Stanislav Lem. Der Erfolg der Filme, sowie der Gewinn verschiedener Filmpreise veranlasste sie weiterzumachen und 2007 wurden die ersten Episoden der Serie ausgestrahlt. Mit nur etwa 15 Minuten pro Episode vergleichsweise kurz, wurde die Serie „Ijon Tichy: Raumpilot“ zum Publikumsliebling und zur Kultserie. Dies ist vor allem dem Charme der Produktion zu verdanken.

Titelheld Ijon Tichy (Oliver Jahn) fliegt mit seiner Rakete, deren inneres aussieht wie eine Berliner Altbauwohnung durch das Universum und bekommt dabei Gesellschaft von einem selbstgebauten Hologramm, der „Analogen Halluzinellen“, welche von Nora Tschirner gespielt wird. Sie stoßen auf fremde Welten, Aliens und allerlei interessante Begebenheiten. Das Tolle an der Serie ist jedoch nicht die lustige Story, oder das sehr gute Schauspiel der Protagonisten, sondern die liebevolle, charmant-schlechte Ausstattung, die irgendwo zwischen trashig und professionell liegt. 2011 folgte auch sogleich eine deutlich längere zweite Staffel, die mit mehr Budget und einem größeren Team umgesetzt wurde.

Jedem, der sich für ausgefallenen Humor, Science Fiction und die detaillierte Ausstattung der Serie begeistern kann, empfehle ich sich mindestens drei oder vier Episoden der Kultserie anzuschauen, sie dabei jedoch bloß nicht zu ernst zu nehmen. Noch als kleinen Tipp: Das ZDF veranstaltet regelmäßig einen Ijon-Tichy-Tag, an dem alle Episoden der Serie hintereinander ausgestrahlt werden.

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Die zweite geniale Serie, welche zum einen deutlich jünger ist und sich zum anderen einer anderen Art von Humor bedient, heißt „Der Tatortreiniger“. Die Komödie mit Bjarne Mädel in der Hauptrolle des Tatortreinigers geht einen anderen Weg, als man vielleicht denkt. Der namensgebende Protagonist, der Tatortreiniger Heiko Schotte besucht in jeder Folge einen Tatort und trifft dort auf die interessantesten Figuren, meistens Bekannte oder Verbliebene der Toten. Daraus entwickeln sich Kammerspiele mit einem sehr trockenen und schwarzen Humor, der meistens in der Situationskomik liegt. Zuerst lief die Serie nicht besonders gut, was vor allem an der nicht gerade günstigen Verortung im Fernsehprogramm lag, doch durch die sozialen Netzwerke verbreitete sich der Geheimtipp rasend schnell und den nur vier Folgen der ersten Staffel folgten bisher neun weitere.

“Mein Name ist Heiko Schotte und ich habe kein Abitur!”

Nicht nur die vielen Preise (u.a. Grimme-Preis) sprechen dafür die Serie zu schauen, auch das hervorragende Spiel von Bjarne Mädel, sowie die oft selbstironischen und gesellschaftskritischen Themen (Prostitution, Homosexualität, Rechtsradikalismus) in deren Fettnäpfchen der Tatortreiniger immer wieder tritt, machen das ganze zu einem Erlebnis. Lachanfälle garantiert.

 

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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