Auf ins Studium

Suchst du noch…? Insidertipps zur Wohnungssuche

Tipps und Tricks, damit deine Suche zum Erfolg wird
| Lena Hortian, Lukas Schuster, Michael Cremann |

Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten

Bei dem Thema “Wohnungssuche” werden fast sofort zwei verschiedene Stimmen laut: Klagen über die allgegenwärtige Wohnungsnot, Geschichten über Leute, die in ihrer Zielstadt schon gefühlt jede Wohnung erfolglos besichtigt haben, und natürlich die Glückspilze, die bei scheinbar wenig Aufwand schnell fündig wurden.

Aber hat es tatsächlich so viel mit Glück zu tun?

Wenn man dieser Theorie folgt, hatte ich (in Münster!) innerhalb von 3 Jahren bereits zwei Mal das Schicksal auf meiner Seite. Nachdem ich nun aber selbst einige Besichtigungen aus der Perspektive der Vermieter erlebt habe, ist meine Ansicht darüber stark ins Wanken gekommen. Deswegen habe ich einmal in der Redaktion herumgefragt und Erfahrungen aus WG-Leben und Ein-Zimmer-Appartement zusammengetragen, um euch ein paar Tipps auf den (mehr oder weniger steinigen) Weg der Wohnungssuche mit zu geben.

Vorüberlegungen: WG oder nicht?

Auch wenn die Zulassungen der Unis und FH’s noch auf sich warten lassen und du dich somit noch nicht voll auf eine Stadt festlegen kannst, solltest du dir diese Frage bereits gestellt haben. Natürlich macht es letztlich einen Unterscheid, ob du in Gelsenkirchen oder in Berlin alleine wohnst, aber dennoch ist die Grundüberlegung gleich.

Von dir ausgehend solltest du also abwägen, wie wichtig dir Geselligkeit oder Ruhe sind und wie sehr dich kleine Marotten von anderen stören. Grundsätzlich kannst du dir in deinen eigenen 4 Wänden zwar deine Gäste immer selbst aussuchen, dafür musst du dich aber auch selbst organisieren und beschäftigen können. Hier stört es niemanden, wenn du in einer stressigen Phase mal nicht alles sofort wegräumst, allerdings kann es dann auch sein, dass du das Gespräch an der Supermarkt-Kasse als soziale Interaktion verbuchst. Es mag banal klingen, aber du solltest dir darüber im Klaren sein, dass du in einer WG immer Menschen um dich hast, die du im Zweifel nicht genau kennst, bis du eingezogen bist. Dass diese Menschen dann auch Gäste in die gemeinsame Wohnung einladen, könnte dich entweder beim Lernen ablenken oder du lernst immer wieder neue Leute kennen und kannst Kontakte knüpfen. Und ob du bei den berühmt-berüchtigten WG-Partys lieber Gast oder Gastgeber sein möchtest, solltest du ebenfalls bedenken. Wenn du mit ein paar Freunden in die gleiche Stadt und in eine WG ziehen möchtest, könnte eine Neugründung ein guter Mittelweg sein. Eventuell offenbaren sich auf diesem Weg Eigenheiten der anderen, die du lieber nicht gewusst hättest, aber dieses Risiko ist sehr viel geringer.

Diese Liste ließe sich noch länger fortführen, aber letztlich gibt es viele verschiedene Arten, in einer WG oder allein zu wohnen, sodass noch ein rationales Argument bleibt: das Geld. Eine größere Wohnung mit mehreren Leuten zu teilen heißt im Umkehrschluss natürlich auch, die Miete mit anderen zu teilen. Abgesehen davon winken in einer WG noch andere Vergünstigungen. (Beispielsweise fallen die Kosten für die Rundfunkgebühr und das Internet nur pro Haushalt an.) Bei einer WG-Neugründung könnten je nach Wohnung jedoch Kosten für die Grundeinrichtung anfallen, die sich aber oft mithilfe von Keller-Hütern der Bekanntschaft reduzieren lassen.

Ganz wichtig – die Vorbereitung

Egal, ob du dich schon entschieden hast, wo, wie oder mit wem du gerne wohnen möchtest, gibt es hinsichtlich der Plattformen und der Vorbereitung ein paar allgemeine Hinweise. Wahrscheinlich bietet wg-gesucht in Verbindung mit facebook neben Immobilien-Scout die größte Reichweite und Auswahl, allerdings melden sich auf diese Anzeigen auch entsprechend unüberschaubare Zahlen von Interessenten. Deswegen lautet hier mein Tipp: schau auch nach links und rechts, was in diesem Falle heißt: in die örtliche Zeitung, bei Rewe ans schwarze Brett und bei ebay-Kleinanzeigen (hier habe ich bereits zwei mal Glück gehabt). Es mag dir komisch vorkommen, aber es gibt immernoch viele Privat-Inserate “am Wegesrand”. Ein ähnlicher Ansatzpunkt, der einerseits bedauernswert ist, andererseits aber auch Chancen bietet, ist, dass “Vitamin-B” noch immer helfen kann. Das heißt dann bei der Wohnungssuche in deiner Zielstadt für dich: Reden hilft! Erzähle deinen Mitmenschen, dass du auf Wohnungssuche bist. So mancher Onkel der Familie hat noch einen Schwippschwager in deiner Stadt, der gerade keine Lust oder Zeit hat, eine Anzeige zu schalten und einen Besichtigungstermin nach dem nächsten zu organisieren.

Besonders wichtig sind Kontakte zu Menschen, die schon in deiner Wunschstadt wohnen auch deshalb, weil sie dir bezüglich der Lage (oder des Viertels) Insider-Informationen geben können, die in Anzeigen gerne verschwiegen werden. Viele andere Dinge wie Einkaufsmöglichkeiten, Anbindung an den Nahverkehr oder die Verteilung der Fachbereiche über die Stadt weiß auch Google.

Die erste Kontaktaufnahme mit Vermietern oder potentiellen Mitbewohnern ist neben wenigen Ausnahmen dann doch schriftlich. Dabei solltest du niemals nur in ein oder zwei Sätzen dein Interesse bekunden, sondern darüber hinaus ein paar Informationen über dich selbst einbringen, damit der Leser direkt ein (möglichst positives, aber ehrliches!) Bild von dir vor Augen hat und du nicht einfach nur ein Bewerber unter Tausenden bist. Dabei sollte eine angemessene Ansprache und zumindest einigermaßen orthographisch korrekte Sätze und dein Name darunter selbstverständlich sein. Als Faustregel gilt deshalb, wenn du nicht weißt, welche Rolle dein Gegenüber hat, sei lieber eine Spur zu höflich und orientiere dich grundsätzlich an der Art der Anzeige. Das heißt auch, dass du zwar einen vorgefertigten Text versenden kannst, es aber oft erfolgreicher ist, individuell auf das jeweilige Inserat einzugehen.

Aus der Masse herauszustechen ist auch ein Eckpfeiler für Besichtigungen. Bleibe dabei aber stets ehrlich und versuche, dich nicht zu verstellen (vor allem bei WG-Castings). Besonders schwierig sind “Massenbesichtigungen”, bei denen in kurzer Zeit viele Interessenten gleichzeitig in eine Wohnung gedrängt werden. Natürlich ist das für die Vermieter weniger zeitaufwändig, als viele einzelne Besichtigungen zu organisieren, aber in den meisten Fällen wirken die Objekte kleiner, als sie sind und alle Beteiligten sind schneller am Ende ihrer Geduld als am anderen Ende des Zimmers.

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Zwar hast du bei Einzelterminen auch nicht weniger Mitbewerber, aber du hast eine bessere Möglichkeit, dich zu profilieren und im Gedächtnis zu bleiben. Dabei ist wieder das Gespräch ein Schlüssel zum Schlüssel. Ein potentieller Vermieter möchte ein bisschen mehr von dir wissen, etwa um abzuschätzen, wie lange du planst, dort zu wohnen, ob du pfleglich mit seiner Wohnung umgehst und natürlich, ob du die Miete zuverlässig bezahlst (in solchen Fällen ist eine Bürgschaft der Eltern oder eine freiwillige sog. Mietschuldenfreiheitsbestätigung des alten Vermieters sinnvoll). Wenn dir der noch-Mieter die Wohnung zeigt, kannst du praktischerweise Fragen zur Hausgemeinschaft oder zum Vermieter stellen. Und wenn alles ach so perfekt scheint, der Vermieter so nett, die Nachbarn so ruhig und die Uni so nah, dass es dir schon fast komisch vorkommt, warum derjenige überhaupt aus so einer Wohnung auszieht, wird es dir niemand krumm nehmen, wenn du freundlich, aber direkt danach fragst.

Wenn du dich mit ein paar Freunden zu einer WG-Neugründung entschlossen hast und nun zu einer Besichtigung eingeladen werdet, schickt nicht einen “Abgesandten”, der dem Vermieter von den anderen nur erzählen kann. Versucht, dem Vermieter den Eindruck zu vermitteln, dass ihr selbständige, vernünftige und insgesamt reife Menschen seid, die sich ihres Vorhabens bewusst sind. Dabei hilft es vielleicht, wenn ihr euch in die Rolle des Vermieters versetzt und überlegt, ob ihr euch selbst die Wohnung anvertrauen würdet.

Beim Casting einer schon bestehenden WG darf oder muss das Ganze sogar lockerer sein. Gib deinen potentiellen neuen Mitbewohnern die Chance, dich besser kennen zu lernen, da du im besten Falle mit ihnen gemeinsam in der Wohnung leben wirst. Genauso solltest du versuchen, mit den Anderen warm zu werden. Versuche ruhig, über deine Interessen zu sprechen, auch wenn es keine gemeinsamen sind. Trotz aller Konkurrenz gilt aber: Wenn dir die Leute nicht passen, kann die Wohnung noch so schön sein, du würdest dort nicht lange wohnen. Deswegen ist es besonders wichtig, dass du nach Möglichkeit alle Mitbewohner kennenlernst. Im Gespräch solltest du dann noch herausfinden, wie hoch der Abschlag sein wird, den du einmalig zahlen musst, welche Dinge in der WG als “Allgemeingut” gesehen werden und wie finanzielle Dinge generell geregelt werden. Wenn ihr dabei ins Plaudern geratet, umso besser, denn das würde zum alltäglichen Bestandteil des WG-Lebens gehören und jeder möchte sich dabei wohlfühlen.  

Zur Gattung der Makler halte ich (aufgrund von meinen wenigen schlechten Erfahrungen mit ihnen) nur fest, dass es zwar seit ein paar Jahren das neue Gesetz gibt, dass der Vermieter die Maklergebühr trägt. Allerdings heißt dass nicht, dass du einen Makler beauftragen kannst, dir eine Wohnung zu suchen und den Vermieter diese Dienstleistung bezahlen zu lassen, denn es gilt noch immer der Grundsatz: Wer bestellt, bezahlt.

Ebenfalls elementar ist das Zeitmanagement. Sei dir bewusst, dass nicht nur du einige Wohnungen zu besichtigen hast, sondern die Vermieter oder Mitbewohner gerade Einzeltermine aufwändig planen müssen, um jedem Bewerber ein kleines Zeitfenster einzuräumen. Deshalb ist hier die Kommunikation besonders wichtig. Wenn dir also ein Termin angeboten wird, der nicht so richtig in deinen Terminkalender passt, frage lieber nach einem anderen oder sage bescheid, dass es fünf Minuten später werden kann. Und solltest du einen Termin (aus welchen Gründen auch immer) nicht wahrnehmen wollen, sage bescheid, damit er neu vergeben werden kann.

Erfolgreiche Besichtigung – und dann?

Nach dem Austausch von zahlreichen Unterlagen (Personalien, Selbstauskunft, Elternbürgschaft, Verdienstnachweise, Schufa-Auskunft…) rückt der Tag der Übernahme, der oft mit dem Unterzeichnen des Mietvertrages zusammenfällt, immer näher. Trotz der Euphorie-Brille, die du vielleicht trägst, solltest du jetzt genau hinschauen. Fast immer senden Vermieter den Mietvertrag bereits ein paar Tage zuvor an den neuen Mieter, damit du auch weißt, was du letztlich unterschreibst. Aus diesem Grund solltest du dir auch die Zeit nehmen, ihn zu lesen. Ja, Verträge sind keine Groschenromane, aber du solltest wissen, in was du mit deiner Unterschrift einwilligst. (Außerdem kannst du hier auch Infos über die Heizungsart und die Kosten dafür entnehmen. In manchen Fällen muss abgelesen werden, in anderen wird eine Pauschale fällig.) Bei der Übernahme, die in der Regel davor stattfindet, wird die Wohnung gemeinsam begutachtet und eventuelle Mängel (wie gerissene Fliesen, kleine Mängel an Türrahmen oder undichte Fenster) im Übernahmeprotokoll festgehalten. Hier solltest du kleinlich sein, damit dir nicht bei deinem Auszug Dinge zur Last gelegt werden, die du vermutlich so übernommen hast. Zudem wissen viele Vermieter beispielsweise nicht, ob aus dem Wasserhahn in ihrer Wohnung auch tatsächlich warmes Wasser herauskommt. Auch das solltest du prüfen, damit der Vermieter eine Reparatur veranlassen kann.

Beim Einzug in eine bestehende WG solltest du ähnlich verfahren. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie der Mietvertrag gestaltet sein kann. Die für die Mieter aufwändigste Variante ist, einen Hauptmieter (der für das Eintreiben der Miete verantwortlich ist) und mehrere Nebenmieter aufzuführen. Solange sich alle an die Vereinbarungen halten, ist diese Art nicht schlecht, verlangt aber im Zweifel eine Hierarchie, die keiner WG gut tut. Und auch das Aussteigen aus einem solchen Vertrag ist nicht ganz unkompliziert. Die für die Mieter bequemste, aber für den Vermieter aufwändigste Alternative ist ein Vertrag, in dem alle Mitbewohner als Hauptmieter aufgeführt sind oder jeder einen separaten Vertrag erhält.

Was du sonst noch brauchst…

Wenn der Mietvertrag dann unterschrieben ist, muss neben dem Umzug auch die Anmeldung in der neuen Stadt organisiert werden. Vorher solltest du dich informieren, ob es in deiner Stadt dafür eine Frist gibt, bei deren Überschreitung eventuell eine Gebühr fällig wird. (Je schwieriger der Wohnungsmarkt einer Stadt ist, desto eher könnte das der Fall sein.) Darüber hinaus musst du entscheiden, ob du deinen bisherigen Wohnort als Hauptwohnsitz eingetragen lassen möchtest und die neue Wohnung als Zweitwohnsitz angibst. In manchen Städten wird bei dieser Konstellation allerdings eine Zweitwohnsitzsteuer, die von der Jahreskaltmiete abhängig ist, fällig. Ob sich in einem solchen Fall ein kleiner Aufkleber mit dem neuen Hauptwohnsitz auf dem Personalausweis doch ertragen ließe, solltest du dann einfach durchrechnen. 

Du hast schon eine Wohnung und suchst nun nach Einrichtungstipps? Tamara hat sich einen Pokemon-Tisch gebastelt und dazu eine Anleitung geschrieben.

Die meisten dieser Infos, die von Stadt zu Stadt unterschiedlich sind, lassen sich online nachlesen.

Ebenfalls nach Unterzeichnung des Mietvertrages kannst du dich auf die Suche nach dem örtlichen Internetanbieter machen. Schiebe das nicht zu lange auf, da oft noch ein Router verschickt und eingerichtet werden muss. Wenn du also früh genug planst, fällt diese offline-Zeit genau mit deinem Umzug zusammen, sodass du direkt lossurfen kannst.

Daneben solltest du dich um einen Stromanbieter kümmern, da du andernfalls einen wahrscheinlich überdurchschnittlich teuren Tarif der Grundversorgung bezahlen musst. Vielleicht kannst du deinen Vormieter oder deine Mitbewohner fragen, wie hoch ein “normaler” Verbrauch ist, damit du die Anbieter vergleichen kannst und dir Nachzahlungen erspart bleiben.

 

Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Viel Glück!

…oder doch nicht?

Noch mehr Stories? Folge seitenwaelzer:

Lena Hortian

Ich mag gutes Essen und treibe gern Sport, obwohl mein Schweinehund da auch noch ein Wörtchen mitzureden hat. Zeitgleich studiere ich Germanistik und Kunstgeschichte. Meine Wahlheimat Münster ist für das alles und noch viel mehr zum Glück bestens geeignet, auch, wenn ich mir als geborene Rheinländerin hier noch ein paar Berge wünsche.

Lukas Schuster

Auf dem Bild zu sehen ist Lukas, ein Seitenwaelzer der sich um Postings und redaktionelle Arbeiten kümmert und alle paar Millennien auch einen Artikel schreibt. Früher mal hatte er Raumfahrttechnik studiert, aber weil das keine Raketenwissenschaft sei beschäftigt er sich heutzutage doch lieber mit den Medienwissenschaften im wunderschönen Paderborn.

Michael Cremann

Ist meist dort zu finden wo die laute Musik für andere klingt wie ein Autounfall. Hängt hinter der Kinokasse herum oder gibt Führungen durch Münsters Ruine Nummer eins. Dazu wird noch getanzt und wenn dann noch Zeit ist, Geschichte und Archäologie studiert.

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