Allgemein / Auf ins Studium / Bildung / Gesellschaft / Karriere / Studium

Der schlechteste Vortrag aller Zeiten

Fünf Punkte, die einen schlechten Vortrag von einem guten unterscheiden
| Michael Cremann |

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Die Soft Skills mal wieder: Vor großen Gruppen zu stehen und einen guten Vortrag souverän zu halten, ist heute eine Kernkompetenz, die in Schule und Uni, aber auch im Berufsleben immer wieder gefordert wird. Dennoch gibt es in jeder Lerngruppe und jedem Betrieb Personen, die einfach grottenschlecht vortragen, aber glauben, dass sie den besten Vortrag der Welt halten würden. Das wollt ihr auch können? Hier habe ich für die “Profis” einen gängigen Leitfaden für Vorträge zusammengestellt. – Wenn du also beim nächsten Vortrag einen bleibend schlechten Eindruck hinterlassen willst, folge diesem Leitfaden!

1. Auftreten

Versuche zu vermeiden, gesehen zu werden. Wenn du schon nach vorn musst und nicht vom Platz aus vortragen kannst, setz’ dich auf jeden Fall hin. Am besten möglichst weit vom Zentrum des Geschehens entfernt. Falls auch das nicht möglich ist, hilft es, sich in eine Ecke des Raumes zu stellen und sich möglichst klein zu machen. Solltest du unglücklicherweise eine Präsentation vorbereitet haben und auch noch stehen müssen, ist der optimale Ort für dich die Mitte der angestrahlten Fläche. Halte deinen Körper immer zwischen Beamer und Leinwand, so wirst du von der Präsentation verdeckt.

Achte auf deine Haltung! Wer aufrecht und offen steht, wirkt schnell arrogant. Lass’ die Schultern hängen und richte Kopf und Blick auf deine Zettel oder die Präsentation. Schaue niemals ins Publikum!

Wenn du gezwungen sein solltest frei zu sprechen, versuche besonders cool rüber zu kommen: Lehn’ dich an die Wand und verschränke deine Arme, oder steck’ die Hände lässig in die Hosentaschen. Bloß keine Gestik einbauen, das wird nur hektisch. Solltest du dich unbedingt bewegen müssen, bleibe unauffällig: Tipple von einem Bein aufs andere oder benutze dieselbe Geste immer wieder – das Publikum wird sich schnell daran gewöhnen!

2. Sprache

Der Kern eines Referates ist immer sein Inhalt! Bringe so viel Wissen wie möglich in kürzester Zeit an die Hörer. Dazu sprichst du am Besten so schnell es geht – verhaspeln ist kein Problem, übergehe es einfach und mache mit dem nächsten Satz weiter. Nervosität lässt sich am besten durch hohes, schnelles Reden überspielen.

Wichtig ist es, den gebührenden Abstand zwischen dir und dem Publikum deutlich zu machen. Dazu halte einfach die Blätter, auf denen du deinen Vortrag – am besten handschriftlich, klein und nur in einer Farbe – notiert hast, zwischen dein Gesicht und das Publikum. So stellst du sicher, dass deine Mimik unsichtbar bleibt und du dich nicht durch Gesten lächerlich machst. Außerdem verhindert es, dass das Publikum Lippen lesen kann, während du schön leise sprichst.

Wenn die Leute trotzdem zuhören, schlägt die Stunde der Formulierung: Am besten schreibst du dir die Sätze in dem Wortlaut auf, in dem du sie in eine Hausarbeit schreiben würdest: Hübsch verschachtelt und mit möglichst vielen Fachbegriffen. Die liest du dann ohne Vorbereitung oder Übung – so was ist ja Schwachsinn – vom Blatt ab. Falls dir wider Erwarten einer der Sätze beim Lesen nicht mehr gefällt, stell ihn einfach schnell im Kopf um.

3. Präsentation

Es ist ja sowieso schon die Höchststrafe, eine Präsentation überhaupt vorbereiten zu müssen. Damit beweist der Auftraggeber, dass er kein Vertrauen in deine überragenden Vortragsfähigkeiten hat. Falls es sich also nicht umgehen lässt, deinen Vortrag unnötig auszuschmücken, überarbeite dich nicht. Es reicht völlig, den Text, den du ja eh schon für den Vortrag zusammengeschrieben hast, auf eine Folie zu kopieren – nicht abschreiben oder tippen! – wenn du es lesen kannst, können es alle lesen.

Falls sogar Powerpoint verlangt wird, tipp’ den Text schnell ins Programm – keine Angst vor Fehlern, die roten Wellenlinien melden sowieso alles, was berichtigt werden muss. Viel Text auf wenig Folie sorgt dafür, dass die Leute auch dann nichts verstehen, wenn sie versuchen mitzulesen. Absätze und nummerierte Aufzählungen wären unnötig übersichtlich und Satzzeichen gehören im Zeitalter von Whatsapp eh der Vergangenheit an. Deinen Text musst du dann selbstverständlich nicht mehr mitbringen, er steht ja an der Wand. Dreh’ dich einfach zur Präsentation und lies schön leise vor.

4. Medieneinsatz

Bau keinen Mist: Bilder sind für Grundschüler! Erklärende Grafiken, Karten oder noch schlimmer Tafelbilder sind völlig unnütz und verkomplizieren alles nur. Wer nicht weiß, wie die Hauptstadt der Fidschis heißt, der sollte Geographie schleunigst abwählen und wer sich die Ausbreitung der Pest von 1348 nicht vorstellen kann, hat im Geschichtsstudium auch nichts zu suchen!

Besonders bei Videos oder Tondateien sollte man vorsichtig sein: Wenn man sie schon einsetzen muss, ist es wichtig lange Ausschnitte zu verwenden, da man den Kontext nie so umreißen kann, wie es der Datei selbst gelingt. Über die Qualität muss man sich allerdings keine Gedanken machen. Was auf dem Handy gut aussieht, wird auf der Leinwand sowieso wirken. Mittlerweile sind die Boxen von Laptops auch gut genug, um mit ihnen einen Klassen- bzw. Seminarraum zu beschallen. Und es reicht ja auch, wenn nur die erste Reihe etwas hört.

5. Interaktion

Bloß nicht! Schon Pausen, in denen Fragen gestellt werden können, sind übertrieben. Richtig nervig für das Publikum wird es aber, wenn man zwischendurch fragt, ob Verständnisfragen aufgekommen sind, oder noch schlimmer: Mitarbeit verlangt. Aktive Mitarbeit ist der Tod jedes Vortrags, alle quatschen dazwischen und werden unnötig wach, obwohl sie vorher doch so friedlich “zugehört” haben.

Am allerschlimmsten sind aber Handouts, jede Art von Text oder Bild, die zur Bearbeitung ausgegeben werden, schmälern die Arbeit und den Redeanteil des Vortragenden und sind somit zu vermeiden. Außerdem kommt das Verständnis am besten auf, wenn der Vortragende seinen Lösungsweg als den einzig richtigen vorstellt und unnötige Diskussionen bestenfalls gar nicht aufkommen.

 

Falls ihr all das beherzigt, werdet ihr mit Sicherheit den schlechtesten Vortrag eurer Laufbahn – egal ob in Schule, Uni oder Beruf – zum Besten geben!
Und ein kleiner Tipp am Ende: Wenn ihr die Aussagen einfach umdreht, funktioniert der Text sogar als Leitfaden für einen guten Vortrag. ;)

Falls ihr zum Umdenken zu faul seid, lest hier,  wie man es richtig richtig macht, ganz ohne Ironie.

Noch mehr Stories? Folge seitenwaelzer:

Michael Cremann

Ist meist dort zu finden wo die laute Musik für andere klingt wie ein Autounfall. Hängt hinter der Kinokasse herum oder gibt Führungen durch Münsters Ruine Nummer eins. Dazu wird noch getanzt und wenn dann noch Zeit ist, Geschichte und Archäologie studiert.

Das Fernstudium oder wie ich lernte, die Einsamkeit zu bekämpfen

Warum Vinyl so in Mode ist

Steuern sparen für Studenten

Pack dein Studium an – Vom Prokrastinierer zum Fokussierer

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies, mit der Nutzung unserer Webseite erklärst du dich damit einverstanden. Hier gibt's weitere Infos.