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Einfach, 2-Fach, Drei-Fach? Über Bachelor und Master

Nahezu alle, die aktuell oder in Zukunft an einer staatlichen Hochschule studieren, erwerben ihren ersten Studienabschluss nach dem Bachelor-Modell. Aber was genau ist das?
| Robin Thier |

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Robin Thier

Nahezu alle, die aktuell oder in Zukunft an einer staatlichen Hochschule studieren, erwerben ihren ersten Studienabschluss nach dem Bachelor-Modell. Aber was genau ist das? Warum gibt es Bachelor und Master, warum kann man manchmal mehrere Fächer studieren und dann wieder nicht und vor allem, warum gibt es den Bachelor of Arts und den Bachelor of Science?

Viele Studierende, selbst diejenigen, die kurz vor dem Ende ihres Bachelor-Studiums stehen, wissen nicht so recht, was es mit diesem Abschluss genau auf sich hat oder haben nur eine ungefähre Vorstellung. Nun wird es Zeit, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und das Thema genauer zu beleuchten.

Die Anfänge

1999 fand der sogenannte Bologna-Prozess statt: 29 europäische Bildungsminister unterzeichneten im italienischen Bologna eine Erklärung mit dem Ziel, in der gesamten EU eine einheitliche Hochschullandschaft zu schaffen. Dazu gehörte auch ein Vereinheitlichen der Abschlüsse, sodass diese in ganz Europa anerkannt werden können und überall den gleichen Stellenwert bekommen. Inzwischen beteiligen sich 47 europäische Staaten am Bologna-Prozess und halten nach und nach Einzug in das Bachelor-Master-System. Der Bachelor, so die Idee dahinter, stellt den ersten berufsqualifizierenden Abschluss und damit auch den Regelabschluss für die meisten Studierenden dar. In dem gestuften System folgen darauf der Master und dann eine Promotion.

Das Wort „Bachelor“ leitet sich übrigens aus dem lateinischen Kunstwort „Baccalaureus“ ab, welches tatsächlich lange Zeit den niedrigsten akademischen Rang bezeichnete. Auch heute wird der Bachelor in einigen Hochschulen noch als „Bakkalaureus der Wissenschaften“ bezeichnet.

Das Bachelor-Master-System

Das Grundkonzept des Bachelor ist es, einen vergleichbaren Abschluss zu gewährleisten. Daher wird ein Punkte-System genutzt, um die Studienleistungen festzulegen, das sogenannte European Credit Transfer System (ECTS). Da die Regelstudienzeiten durchaus noch unterschiedlich sein können – sie liegen zwischen sechs und acht Semestern – ergeben sich somit verschiedene Summen an Credits, auch Leistungspunkte (LP) genannt, die Studierende erreichen müssen. Bei sechs Semestern wären das 180 LP, bei acht Semestern 240 LP. Pro Semester soll man diesem System folgend etwa 30 LP erwerben. Ein solcher Leistungspunkt entspricht einer Arbeitsbelastung von etwa 30 Stunden; eingerechnet sind Anwesenheit in der Uni, das Schreiben von Hausarbeiten, usw.
Spinnt man dieses System weiter, würde sich pro Woche eine Arbeitsbelastung von etwa 40 Stunden pro Woche ergeben – das Studium als Vollzeitjob.

Einige Studiengänge beschränken sich auf ein einzelnes Fach, während viele Unis ihre Palette an Studienfächern auf den Zwei-Fach-Bachelor hin ausrichten. Dieses System, bei dem man zwei Fächer gleichwertig nebeneinander studiert, soll die Möglichkeit bieten, Studiengänge und Inhalte miteinander zu kombinieren. Für Studierende, die einen Master of Education, also das Lehramt anstreben, sind zwei Fächer Pflicht. An einigen Unis können manche Fächer, etwa Philosophie an der Uni Münster, auch gar nicht erst im Ein-Fach-Bachelor studiert werden.

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Innerhalb vieler Bachelor-Studiengänge sind die Lehrveranstaltungen durch Module strukturiert, welche ähnlichen Stoff mit einem Lernziel kombinieren und als Einheit mit Leistungspunkten honoriert werden. Häufig sind dies Einführungsveranstaltungen, in denen die Studierenden einen Überblick über Grundlagen über des Fachs bekommen, bevor sie sich in höheren Semestern auf einen Themenkomplex näher spezialisieren.

Der Master

Mit dem Bachelor erhält der Studierende einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss. Die Meisten streben danach jedoch einen Master an, den zweiten akademischen Grad. Im Master, der zwei bis vier Semester dauert, führt man das vorherige Studium entweder vertiefend fort, auch konsekutiv genannt, oder es bietet sich die Möglichkeit einer Umorientierung, indem auf einen Master-Studiengang gewechselt wird, den man nicht zuvor schon studierte (nicht-konsekutiv).

Eine Übersicht von Wikipedia über die verschiedenen Bachelor-Master-Kombinationen und die zu erreichenden Credits
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Eine Übersicht von Wikipedia über die verschiedenen Bachelor-Master-Kombinationen und die zu erreichenden Credits

Bachelor of…

Die Bachelor-Abschlüsse werden in Deutschland, einer Entscheidung von 2003 folgend, nach Fächern getrennt benannt. Studenten der Sozial-, Sprach-, Kultur-, Religions- oder Wirtschaftswissenschaften bekommen den Bachelor of Arts verliehen. Die Naturwissenschaftler einen Bachelor of Science. Sonderformen sind ferner der Bachelor of Laws, den Rechtswissenschaftler erwerben können, der Bachelor of Education, der Lehramtsstudierende schmückt, sowie den Bachelor of Engineering für Ingenieurswissenschaften. Beim Bachelor ist es egal, ob dieser an einer Universität oder einer Fachhochschule erworben wurde, da an beide Bildungseinrichtungen dieselben Ansprüche gestellt werden.

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Kritik am System

In Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern, wurde vor allem in den ersten Jahren Kritik laut. Die starke Modularisierung des Stoffes und die festgelegten Regelstudienzeiten führen zu einer Verdichtung des Lernstoffes und machen es den Studierenden fast unmöglich, sich fachübergreifend umzuschauen und über ihr Studium hinaus zu lernen. Auch das Jobben neben dem Studium wird so erschwert. Nach einer Studie würde jeder vierte Bachelor-Student sein Studium abbrechen, noch mehr wechselten ihren Studiengang. Einer der Gründe ist, dass manche Fächer an den Unis durch die Modulstrukturen und das Credit-System sehr stark verschult sind und kaum noch Raum für individuelles Lernen bieten. Ferner wird häufig kritisiert, dass es den Studenten lediglich um das Erreichen von Credits gehe und nicht mehr die Freude an der Wissenschaft im Vordergrund stehe. Außerdem, so die Kritiker, sei das Erreichen des Bachelor zu einfach, sodass zu viele Studierende das Ziel mit Bestnoten erreichten und der Abschluss an Wert verliere. Diesem Argument folgt oft der Hinweis darauf, dass die Bachelor-Arbeit nur eine etwas schwierigere Hausarbeit sei und kaum tieferes wissenschaftliches Verständnis erfordere.

Man kann von der Kritik halten, was man möchte. Fest steht, dass wir in Deutschland während der universitären Laufbahn als Erstes ein Bachelorzeugnis in der Hand halten werden. Was Ihr danach daraus macht, das bleibt ganz Euch überlassen.

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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