Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Abi - und dann? / Auf ins Studium / Studium

Studium der Geschichte und Philosophie – Eine vielversprechende Kombination?

Bei der Konzeptionierung unseres Studienspecials konnten wir vor allem davon profitieren, dass wir eine große Vielfalt an Studiengängen aus unterschiedlichen Fachbereichen im Team vertreten haben. Von Energietechnikern, über Kommunikationswissenschaftler, bis hin zu Kunsthistorikern, haben wir einen guten Teil dessen vorhanden, was die Unilandschaft Deutschlands hergibt. Im Vergleich zu den soeben aufgezählten, bestimmt sehr interessanten, Studiengängen, wirkt meine eigene Fächerkombination Geschichte und Philosophie wahrscheinlich eher trocken und langweilig. Warum ich mich dennoch für diese Fächer entschieden habe und wie es sich mit der Entscheidung studiert, möchte ich im Folgenden klären und dabei vor allem auf die Frage eingehen, für wen diese beiden Fächer geeignet sind.

Zunächst möchte ich jedoch erzählen, was mich nach dem Abitur dazu bewogen hat, diese Studiengänge überhaupt anzutreten. Dazu ist sicherlich zu sagen, dass ich schon immer ein großes Interesse an historischen Ereignissen hatte. Bereits als Kind interessierten mich vor allem Bücher, Filme und Dokumentationen, die in der Vergangenheit angesiedelt waren. Ob das Ganze jetzt in der Zeit der Römer, im dunkelsten Mittelalter, oder während der napoleonischen Kriege angesiedelt war, spielte eine sekundäre Rolle. Die Hauptsache war für mich, dass die Erzählungen und Handlungen von vergangenen Zeiten berichteten, denn das Hier und Jetzt ist einem zur Genüge bekannt. So lag für mich der Schluss nahe, nach dem Abitur ein geschichtlich orientiertes Studium zu beginnen.

Doch was würde für mich als Zweitfach infrage kommen? Meine eigentliche Wahl viel hierbei auf das Fach Geografie und das aus ganz pragmatischen Gründen. Zum einen fiel mir das Fach in der Schule nie besonders schwer und machte mir stellenweise sogar Spaß, zum anderen ließ es sich mit einem auf Lehramt ausgerichteten Zwei-Fach-Bachelor kombinieren. Philosophie war also nur mein Zweitwunsch, den ich nichtsdestotrotz bekommen habe. Wieder drängten sich bei der Wahl pragmatische Beweggründe in den Vordergrund. Auch hier war die Möglichkeit gegeben, nach dem Studium als Lehrer an die Schule gehen zu können und ich rechnete mit benötigten Attributen, die eher meinen Stärken entsprachen.

Wie studiert es sich nun also als Student der Philosophie und Geschichte und wie ist das Studium aufgebaut? Der Studienablauf ist in beiden Fächern als recht ähnlich zu bezeichnen. Es gibt jeweils eine Einführungsphase, in der grundlegende Techniken vermittelt werden und in der man überhaupt „studierfähig“ gemacht wird. In Geschichte besteht diese Einführungsphase an der Universität Münster aus Modulen, in denen jeweils die drei Epochen Antike, Mittelalter und neuere-/neuste Geschichte primärer Bestandteil der Lerninhalte sind. In sogenannten Proseminaren lernt man anhand von Themen aus den jeweiligen Epochen das Handwerkszeug eines Historikers: Wie funktioniert wissenschaftliches Arbeiten? Wie schreibe ich eine Hausarbeit? Wie zitiere ich richtig? Wo steht welches Buch in den Bibliotheken? In den sogenannten Hauptseminaren, welche Bestandteil der anschließenden Vertiefungsphase sind, kommt das Gelernte nun zur Anwendung. Auch hier werden jeweils die drei genannten Epochen anhand von eingrenzenden Oberthemen besprochen, das Niveau der Diskussionen und der Resultate ist aber ungleich höher, da das gelernte Wissen zu wissenschaftlichem Arbeiten bereits vorausgesetzt wird.

In der Philosophie gestaltet sich der eigentliche Studienablauf, wie bereits erwähnt, recht ähnlich. Zu Beginn des Studiums werden zu belegende Seminare und Vorlesungen als Empfehlungen ausgesprochen, in denen ebenfalls Grundfertigkeiten der Philosophie vermittelt werden. Im Gegensatz zur Geschichte gibt es aber hier keinen fest vorgegeben Ablauf, an den man sich halten muss, sondern es steht den Studenten frei, die Reihenfolge, in welcher die zu studierenden Module abgearbeitet werden, selbst zu wählen. Die jeweiligen Module beinhalten die elementaren Disziplinen der Philosophie, wie z.B. Metaphysik, Sprachphilosophie oder Ethik.

Mehr Informationen zu den Möglichkeiten nach dem Abitur gibt es in unserem E-Book „Abi – und dann?„.

Beide Fächer haben jedoch gemeinsam, dass viel gelesen und viel geschrieben werden muss. Geforderte Studien- und Prüfungsleistungen werden üblicherweise in Form von schriftlichen Ausarbeitungen wie Hausarbeiten oder Essays erbracht. Hinzu kommen häufig Referate und einzelne mündliche Prüfungen. Klausuren sind also eher weniger an der Tagesordnung.

Wer sollte sich also nun für ein Studium der Geschichte oder der Philosophie entscheiden? Bei der Beantwortung dieser Frage spielen vor allem die zuletzt genannten Eigenschaften eine wichtige Rolle. Welcher Typ von Prüfung liegt dir mehr? Denn ein wesentlicher, wenn nicht gar essenzieller Bestandteil eines Studiums sind die Klausuren und die einhergehenden Umstände. Ich für meinen Teil war nie ein Verfechter des Klausurenprinzips. Die fachlichen Inhalte eines ganzen Schuljahres oder Semesters in einer 45-minütigen Klausur abzufragen, halte ich schlichtweg für unfair und verzerrend. Eine mehrseitige Hausarbeit, die über einen längeren Zeitraum erarbeitet wird, ist meiner Meinung nach wesentlich besser dazu geeignet, das Wissen und die Fähigkeiten eines Prüflings abzufragen. Dies ist aber sicherlich zu großen Teilen von der eigenen Veranlagung abhängig. Wenn man lieber eine Klausur schreibt und es einem vor langen Texten graut, sollte man wahrscheinlich vor einem Studium der beiden Fächer absehen. Hinzu kommt der Punkt, dass beide Studiengänge von Seminaren geprägt sind, deren Ziel es ist, gemeinsam Texte zu erarbeiten und über die Ergebnisse bzw. die Texte zu diskutieren. Eine frontale Vermittlung von Wissen und Methoden wird also weniger auf einen zukommen.

Fühlt man sich nun von den Inhalten und Methoden angesprochen, empfehle ich, einfach mal Veranstaltungen des präferierten Fachs zu besuchen. Und hiermit meine ich weniger Infoveranstaltungen für potenzielle Erstis, sondern Seminare und Vorlesungen eines laufenden Semesters. Durch einen direkten Einblick erfährt man oft am besten, ob man sich nun wirklich für das jeweilige Wunschstudium entscheiden sollte. Dieser Umstand gilt natürlich nicht nur für die Fächer Philosophie und Geschichte.

Teilen

Moritz Janowsky

"Sitzt gerne in schlecht klimatisierten Kinosälen auf unbequemen Sesseln und fotografieren kann er auch (nicht)"

Weitere Beiträge

Pro G8 – Warum ich es gut finde, mein Abi nach 12 Jahren gemacht zu haben

Linux – A new hope

Hardware-Guide: Grafikkarten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies, mit der Nutzung unserer Webseite erklärst du dich damit einverstanden. Hier gibt's weitere Infos.