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Job Crafting – Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Beim Lesen eines Artikels, bin ich neulich über einen Begriff gestolpert, der mich stutzen ließ: „Job Crafting“. Was ist das und können wir es im Studium benutzen?
| Robin Thier |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Beim Lesen eines Artikels zur “Generation Y“, einem Schlagwort, das selbst noch einen ganzen Artikel Wert wäre, bin ich über einen Begriff gestolpert, der mich stutzen ließ: „Job Crafting“. Betrachtet man diesen Begriff von seiner reinen Wortbedeutung, dann kommt etwas wie „Arbeitsbasteln“ oder „Arbeit herstellen“ dabei heraus. Was genau diese seltsame Tätigkeit ist und wie man sie vielleicht auch auf das Studium oder eine Ausbildung anwenden kann, darum soll es im Folgenden gehen.

Eintönigkeit. Jeden Tag machst du das Gleiche, hast schon nach wenigen Monaten die Motivation an deiner Ausbildung oder der Arbeit verloren und fragst dich jeden Tag, warum du dich überhaupt noch dorthin schleppst. Unter dieser Einstellung beginnt auch der Erfolg zu schwinden und die Demotivation wird größer und größer. Dieses Problem kennen viele Arbeitnehmer und wer sich in der Berufswelt umschaut – oder auch nur unter seinen Kommilitonen – der erkennt ein Muster. Man bekommt im Laufe seiner Tätigkeit bestimmte Aufgaben, die es in einem bestimmten Zeitraum zu erledigen gilt. Meistens sind diese Aufgaben perfekt auf den Job oder das Studium angepasst und wurden schon Hunderte Male so gestellt – vollkommen unabhängig von den Personen. Das Problem ist, dass wir es überall mit Menschen zu tun haben und Menschen sind unterschiedlich. Nicht jeder kann die Aufgaben genauso, wie sein Kollege bearbeiten oder das Studium, wie ein anderer, erfolgreicher Vorgänger absolvieren. Es schleichen sich immer wieder dieselben Fehler ein und man jammert über seine Aufgaben, bis sich schließlich die oben erwähnte Demotivation einstellt.

Genau dieses Phänomen haben Amy Wrzesniewski, Nicholas LoBuglio, Jane Dutton und Justin Berg von der Ross School of Business in Michigan, U.S.A. untersucht. Dabei haben sie festgestellt, dass viele MitarbeiterInnen von Unternehmen das sogenannte „Job Crafting“ betreiben. Job Crafting ist, um den Begriff endlich aufzulösen, das aktive Umgestalten einer Arbeit bzw. eines Jobs auf die eigenen Interessen und Fähigkeiten. Ein Beispiel wäre, sich für langatmige und langweilige Tätigkeiten neue Methoden der Umsetzung zu überlegen – etwa das Erstellen computergestützter Formulare, die Zeit sparen. Damit bliebe mehr Zeit für die Aufgaben, die man mag und gerne macht. Außerdem wird immer wieder beobachtet, wie MitarbeiterInnen sich neue Aufgaben suchen, die eigentlich gar nicht in ihr Jobprofil passen. Nach und nach wird der Job dabei den eigenen Fähigkeiten angepasst und effektiver, sowie motivierter gearbeitet.

Wenn man von der positiven Wirkung des „Job Crafting“ weiß, warum werden MitarbeiterInnen nicht häufiger in diesem Vorgang gefördert? Wie bei so vielem gibt es auch Nachteile: Die Führungsetage hält nichts von der Erweiterung oder leichten Umgestaltung der Arbeit und besteht auf einem traditionellen Bearbeiten der gestellten Aufgaben. Außerdem kann der Fall eintreten, dass ein Job in die falsche Richtung ausgebaut wird und man zwar motivierter Ergebnisse hervorbringt, die aber gar nicht gewünscht sind und das Pensum an Ergebnissen, die vom Arbeitgeber erwartet werden, nicht erreicht wird.

Trotz dieser negativen Aspekte können wir uns das „Job Crafting“ im Hinterkopf behalten und uns so etwa unser Studium erleichtern – denn der vordergründige Zweck der Tätigkeit des „Job Crafting“ ist es, der eigenen Arbeit einen Sinn zu verleihen und die Grenzen der Arbeit zu erweitern. Wie ließe sich das als Student umsetzen? Meistens hat man sowieso Möglichkeiten, Schwerpunkte im Studiengang nach eigenen Interessen zu setzen. Ferner kann man leichter Dinge aus vergangenen Semestern aufarbeiten, wenn man nicht nur trocken seine Notizen liest, sondern anderen Nachhilfe gibt oder jenen  das Thema erklärt. Dies möchte man so gut wie möglich machen und bereitet sich umso gründlicher und mit viel mehr Motivation vor. Auch die Anwendung in der Praxis hilft. Angenommen, man studiert BWL – warum nicht ein kleines Marketing-Programm für den Fußballverein aufstellen? Viele Menschen betreiben Job Crafting intuitiv, aber manchmal kann es sehr helfen, dies bewusst und gezielt anzuwenden.


http://justinmberg.com/wrzesniewski-lobuglio-dutto.pdf
http://www.career-women.org/job-crafting-fuehrungskraefte-hr-manager-zufrieden-_id4138.html
https://www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2014/11/HR_Barometer.html
http://www.abitur-und-studium.de/Blogs/Universitaet-Zuerich/Schweizer-Arbeitnehmer-gestalten-ihren-Job-in-eigener-Regie.aspx
http://job-crafting.de/generation-y/
http://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/generation-y

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Robin Thier

Gründer von seitenwaelzer, studiert in Münster und beschäftigt sich in seiner freien Zeit mit Bildbearbeitung, Webseitengestaltung, Filmdrehs oder dem Schreiben von Artikeln. Kurz: Pixelschubser.

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Eine Antwort zu “Job Crafting – Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt”

  1. Hey Robin,

    ich finde es sehr gelungen, den Aspekt des Job Craftings auf das Studium zu übertragen. Danke dafür!
    Gerade im Studium hat man noch so viele Gestaltungsmöglichkeiten und kann sich und seine Arbeitsmethoden gut ausprobieren. So kann man herausfinden, wie man am liebsten und besten lernt und arbeitet.

    Schöne Grüße,
    Tim

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