Games / Kultur und Medien / Podcast / Rezension

Literatur trifft auf Pen und Paper: Of Mice and Men and Monsters

Ihr wollt herausfinden, wie Pen und Paper und Literaturklassiker kombiniert spannende Hörabenteuer ergeben? In dieser Podcastrezension erfahrt ihr es.
| Alex Schmiedel |

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Das Cover des Podcasts Of Mice and Men and Monsters. Abgebildet sind neben dem Titel ein aufgeschlagenes Buch sowie verschiedene visuelle Referenzen zu literarischen Werken. Unter anderem sind dort Frankensteins Monster (Adam), die Grinsekatze aus Alice in Wonderland, eine weiße Walflosse (Moby Dick), Exkalibur (Arthursage), Pfeile (Robbin Hood) gezeichnet dargestellt.Of Mice and Men and Monsters

Die eine oder andere Leseratte kennt es: Als Kinder sind wir in die Welten unserer Bücherheld:innen eingetaucht und haben uns vorgestellt, wie es wäre, an ihrer Seite zu kämpfen, zu reisen oder Fälle zu lösen. Und jetzt als Erwachsene? Manchmal fällt es schwer, sich auf ein Buch genauso wie damals einzulassen und die Geschichte nicht nur zu lesen, sondern zu erleben. Of Mice and Men and Monsters geht genau diese Herausforderung an.

Mit herzlichem Humor und einer sympathischen, aufgeschlossenen Cast spielt der Actual-Play-Podcast bekannte literarische Werke als Pen und Paper-Spiel in englischer Sprache nach. Das Actual-Play-Podcast-Genre besteht dabei aus einer Gruppe von Menschen, die Pen und Paper Spiele als Hörmedium aufbereitet spielen. Of Mice and Men and Monsters, kurz OMAMAMShow, verwandelt Klassiker wie Robin Hood, Frankenstein und The Great Gatsby in fesselnde und unterhaltsame Kampagnen, also sequentiell und narrativ gespielte Abenteuer, in der Welt von Dungeons und Dragons. Die Episodenlänge wechselt dabei zwischen mindestens 40 Minuten bis 90 Minuten. Mit bis dato (Stand: Juli 2022) 48 Episoden und sieben gespielten Büchern gibt es entsprechend genügend Stoff, um auf ganz neue Weise altbekanntes Material zu entdecken oder die “Ach, das wollte ich doch schon immer mal lesen”-Liste anzugehen. Oder man macht es wie Redakteur Dominik und liest besagte Bücher tatsächlich. Er nimmt euch auf seine Reise durch die literarische Welt regelmäßig unter dem Motto “Tatsächlich gelesen” mit.

Geleitet wird der Podcast von Katelyn Tinius, welche als High-School-Englischlehrerin die Rolle der Spielleiterin als “Dungeon Teacher” übernimmt. Der Podcast arbeitet mit einer festen Cast an Spieler:innen, welche in die Rolle von drei Charakteren schlüpfen, die von Geschichte zu Geschichte stolpern. So lernen der Druide Awen (Aaron Tracy), Gestaltwandlerin Penny (Kimmie Gregory) und der ehemalige Butler Bertram (Adam Tinius) Stück für Stück mehr über sich selbst, einander und die Welt, in der sie sich bewegen. Dabei macht der Podcast deutlich, dass Charakterentwicklung großgeschrieben wird. Zuhörenden werden im Laufe der Episoden verschiedenste Facetten der Charaktere gezeigt. Besonders Penny entwickelt sich mit einem spannenden Charakter-Ark, der einer Achterbahn der Gefühle gleicht, welcher vermuten lässt, dass Ähnliches in kommenden Episoden auch mit Bertram und Awen geschehen wird. Denn Pennys Charakter ist inspiriert von einem der Bücher, die sie bereits gespielt haben: Oliver Twist. Es bleibt also offen, aus welcher Welt oder viel mehr aus welchem Buch oder Stück die anderen beiden Charaktere stammen.

Of Mice and Men and Monsters besticht besonders durch die Aufteilung in zwei Segmente: Denn nach jeder Kampagne findet ein sogenannter “Book Report” statt, in der die Spielleiterin Katelyn Tinius mit einem Teil der Cast die ursprüngliche Quelle, aus der sich die Literatur für die jeweilige Kampagne speist, bespricht. Es lässt sich viel und unterhaltsam zu den jeweiligen Büchern, den Handlungen, Charakterbeziehungen und Referenzen durch diese “Book Report”-Episoden lernen. Besonders spannend ist die Einordnung in den historischen und soziokulturellen Kontext, welche in diesen Episoden erfolgt. Hinzu kommt eine Besprechung des:der Autor:in und der jeweiligen Biografie, aus der sich das Werk den Umständen entsprechend entwickelt hat. Dabei bringen die Sprecher:innen auch stets Anekdoten über ihren eigenen Bezug zu den Büchern ein und erinnern sich an Momente ihrer Schulzeit, ihrer Kindheit und Jugend, Arbeitserfahrung oder auch ihres Last-Minute-Versuchs, vorbereitend etwas über das Buch auf Wikipedia nachzulesen.

Mit einer regelmäßigen Veröffentlichungsstruktur (jeder zweite Mittwoch) und hoffentlich vielen spannenden Büchern und Kampagnen, die noch kommen werden, ist Of Mice and Men and Monsters eine Zeitreise, Kindheitserinnerung, Möglichkeit zu lernen, eine Gute-Nacht-Geschichte für alle Pen und Paper Nerds und definitiv ein ergiebiges Reinhören wert.

Unterstützen

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, würden wir uns über eine kleine Spende freuen.



Noch mehr Stories? Folge seitenwaelzer:

Alex Schmiedel

Seit 2019 unterstütze ich das Team mit Illustrationen, Gestaltung, Artikeln und einer stets schwingenden intersektionaler Feminismus-Keule. Ursprünglich bin ich jedoch als Fan des Heldenpicknicks auf Seitenwaelzer gestoßen. Meinen Bachelor habe ich in Mediendesign in Münster absolviert und nun studiere ich Medienwissenschaft im Master in Bochum und arbeite im Bereich Mediendesign. Für Interactive Fiction, Podcasts, Animation und Musik schlägt mein Herz, ebenso wie für Aufklärung über diverse politische Themen, insbesondere Geschlechterdiversität und medizinische sowie antiableistische Gleichberechtigung.

Fernanda Fierro | Unsplash

Tatsächlich gelesen: Hundert Jahre Einsamkeit (Gabriel García Márquez)

Amelie Haupt

Wer suchet, der findet

Esplanade am Edinburgh CastleAnna Westhofen

Literarisches Edinburgh – eine Gedankenreise

Drei Männer in schwarz weiß gezeichnet stehen um ein Auto herumAlina Krause

Rezension zur Graphic Novel „Rocky Beach“ – Eine düstere Zukunft erwartet uns

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wir benutzen Cookies, mit der Nutzung unserer Webseite erklärst du dich damit einverstanden. Hier gibt's weitere Infos.