Games / Kultur und Medien

Mario Hacking – Eine Einführung in die Welt der „self-made video games“

Der Weg zum eigenen Videospiel
| David Neite |

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Es ist der Traum eines jeden begeisterten Videospiele-Fans: Einmal selbst ein Spiel schaffen, die eigenen Ideen umsetzen und der Kreativität freien Lauf lassen. Und wer sich etwas informiert, bekommt auch die Möglichkeit dazu, denn die Fanbase einiger Spiele ist riesig, die Tools zum „Selbermachen“ durchaus vorhanden. Versprochen: Die Super Mario-Fans unter euch wird das Nachfolgende freuen.

Wem der Begriff „Hacking“ grundsätzlich ein unbehagliches Gefühl bereitet, der sei beruhigt: Bei dem etwas bedrohlich anmutenden Titel dieses nicht allzu weit verbreiteten Hobbys handelt es sich um einen vollkommen harmlosen und vor allem legalen Zeitvertreib: Einige der größten Konsolenspiel-Klassiker werden nach Lust und Laune editiert, erweitert oder als Basis für ganz eigene Spiele genutzt. Man erschafft sogenannte „Hacks“, in anderen Kreisen auch etwas treffender „Mods“, also „Modifikationen“, genannt. Doch worum handelt es sich dabei genau, was ist alles machbar und wie schwierig ist es, erste eigene Games zu erschaffen?

Nicht wenigen dürfte beim Lesen der ersten paar Zeilen dieses Artikels bereits der Titel eines durchaus bekannten und vergleichsweise neuen Spiels in den Sinn gekommen sein: Super Mario Maker heißt die WiiU-Software aus dem Hause Nintendo, die es dem Spieler ermöglicht, auf Basis hauptsächlich alter Ableger der zweidimensionalen „Jump’n’Run“-Reihe rund um den berühmten Klempner mit der roten Mütze eigene Level zu erstellen und ebensolche anderer Spieler weltweit selbst zu testen. Ein Konzept, das Spaß verspricht und die eigene Kreativität herauszufordern sucht, keinesfalls aber eine neue Idee.

Bereits Anfang der 2000er Jahre tauchten im Internet die ersten modifizierten Versionen des „SNES“-Klassikers (SNES = die gängige Abkürzung für das Anfang der 90er Jahre veröffentlichte Super Nintendo Entertainment System, eine Spielkonsole von Nintendo) Super Mario World (kurz: „SMW“) auf. Ein Internettrend war geboren. Nach und nach wurden immer mehr sogenannte „SMW-Hacks“ erstellt, zusätzliche Tools zum Editieren des Originalspiels veröffentlicht und die Nutzung eben solcher durch eine kontinuierliche Überarbeitung des Interface für eine immer breitere Masse ermöglicht.

Bis heute wird das Basisprogramm zur Bearbeitung von Leveln und der Overworld von „SMW“, Lunar Magic, von seinem Schöpfer FuSoYa in regelmäßigen Abständen mit nützlichen Updates versorgt.

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Kurzum: „SMW-Hacken“ kann mittlerweile jeder, der es wirklich will. Und es lohnt sich durchaus, sich in die Materie einzuarbeiten, denn die Möglichkeiten sind schier unendlich: Neben dem einfachen Editieren der Originallevel lassen sich eigene Grafiken für Hinter- und Vordergründe und sämtliche Spielelemente erstellen, theoretisch jeder Song ist in das Spiel übertragbar und wer wirklich Ahnung hat, kann eigene „Sprites“ (bewegliche Spielelemente), also Gegner erstellen und ebenfalls einfügen.

Doch auch wer nicht künstlerisch begabt oder Hobbykomponist ist, kann mit diesen Elementen Spaß haben. Die veröffentlichen Ressourcen zahlreicher Mitglieder der Community lassen sich herunterladen und für die eigene Schöpfung nutzen. Erste Anlaufstelle für all dies: SMWcentral.net. Die Website hosted unzählige „Hacks“ der Nutzer sowie deren selbst geschaffene Spielelemente und verfügt über ein Forum, in dem jeder seine eigenen Spiele vorstellen und Interessierte auf dem Laufenden halten kann. Hin und wieder werden außerdem Wettbewerbe ausgetragen, um das eigene Können unter Beweis zu stellen oder für alle, deren Präferenzen eher in der Kooperation liegen, in gemeinschaftlicher Arbeit „Teamhacks“ erstellt.

 

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Im Laufe der Zeit sind auf diese Weise zahlreiche vollwertige auf Super Mario World basierende Spiele entstanden, wer also nur einmal die Werke der Nintendo-Fans antesten möchte, hat auch dazu selbstverständlich die Möglichkeit:

Und das ganze ist wirklich legal?

Ja! Um eine nicht vollständig legale Verbreitung des Spiels zu verhindern, greifen die Spieleschöpfer auf einen kleinen Trick zurück: Veröffentlicht werden lediglich Patches des Originalspiels, nie aber die entsprechende „Rom“ (die am PC ausführbare Datei des Spiels) direkt. Wer das Originalspiel besitzt, kann sich (mit einiger Vorsicht) im Internet die passende Rom herunterladen und mittels des richtigen Programms einen beliebigen Patch darauf anwenden. Fehlt nur noch ein Emulator, gängig ist momentan das sogenannte ZMZ, der sich ebenfalls einfach herunterladen lässt und es kann losgehen!

Gibt es das eigentlich auch für andere Spiele?

Selbstverständlich! Allein im Mario-Universum gibt es zahlreiche andere Spiele, die sich mittlerweile mehr oder weniger einfach editieren lassen. Darunter befinden sich beispielsweise der Nintendo 64-Titel Super Mario 64 oder das berühmte Wii-Spiel New Super Mario Bros. Wii, dessen Hacks sich wie der Originaltitel sogar mit bis zu 4 Personen gleichzeitig spielen lassen. Sogar die Wii-Version von Mario Kart wurde umfassend bearbeitet und ermöglicht das entdecken unzähliger von Fans erstellten „Custom Tracks“, also völlig neuer Strecken.

Also: Viel Spaß beim Spielen und bei dem Erschaffen eigener Spiele!

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David Neite

Hey Leute! Ich bin David, lese und schreibe gerne, veranstalte Poetry Slams, bin bekennender Fan guter Fantasyliteratur sowie (alter) Videospiele und habe vor, künftig viel zu reisen. Bei all dem könnt ihr mich, solltet ihr daran Interesse haben, hier auf seitenwaelzer begleiten.

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