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Game of Thrones – ein später und gescheiterter Versuch

Spätestens seit Erscheinen der achten und letzten Staffel konnte man sich dem Hype um Game of Thrones nicht mehr entziehen. Also ergab ich mich meinem Schicksal - und schaute die erste Staffel.
| Lotta Krüger |

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Schach - Spiel der KönigePixabay

Ich hatte von Game of Thrones natürlich nicht erst seit dem Hype um die achte und letzte Staffel gehört. Schon seit Jahren konnte man sich den zahlreichen Memes, Spoiler-Warnungen und begeisterten Diskussionen über die erfolgreichste aller Serien nicht entziehen. Trotzdem hat es mich nie gereizt, mir Game of Thrones auch einmal zu Gemüte zu führen. Nicht mein Genre, genug andere tolle Serien zur Auswahl, zu düster und brutal – das waren meine Ausreden. Und bis kürzlich die finale Staffel ausgestrahlt wurde und der Hype nun wirklich täglich alle von mir konsumierten Medien und Mitmenschen erreichte, kam ich damit durch. Aber damit war nun Schluss.

Mein Freund, der mir schon die ein oder andere geniale Serie angedreht und meine anfängliche Skepsis regelmäßig ab der ersten Folge in sich zerfallen lassen hat, eröffnete mir: „Wir gucken jetzt die erste Staffel zusammen.“ Er selbst schaute zwar nebenher die wöchentlich erscheinenden Folgen der finalen achten Staffel, war aber erneut so begeistert, dass er nicht nur selbst noch einmal von vorne anfangen, sondern auch seine geschmacksverirrte Freundin endlich bekehren wollte. Weil ich tatsächlich gerade mal keine andere Serie am Start hatte und mich doch auch ein wenig die Neugier packte, sagte ich zu. „Irgendwo muss der Hype ja herkommen“, dachte ich mir, „so schlecht kann es also nicht sein“. Um jetzt keine Hasskommentare, Wutausbrüche oder Herzinfarkte hervorzurufen – ich fand es auch nicht schlecht.

Aber auch nicht besonders gut.

Damit ernte ich jetzt vermutlich doch eine Menge Hass und Unverständnis. Auch mein Freund zweifelt mehr denn je an meiner seriengeschmackstechnischen Zurechnungsfähigkeit.

Ich habe mir die komplette erste Staffel angesehen. Ich habe GoT eine Chance gegeben, und zwar zehn Folgen lang. Zunächst auf englisch, weil ich alle Serien in Originalsprache schaue und sie so meist um Längen besser finde. Nach zwei Folgen allerdings wechselte ich diesmal zur deutschen Version – bei so vielen Namen, Familien- und Machtverhältnissen sowie komplexen Vorgeschichten stieg ich einfach nicht durch. Auf deutsch kam ich schon besser zurecht, hätte allerdings trotzdem jedes Mal beim Gucken am liebsten einen Stammbaum zum Nachschlagen bei mir gehabt.

Was ich ebenfalls brauchte, war etwas zum Augenzuhalten. Dafür musste mein Kissen herhalten, und das so zwei bis neun mal pro Folge. Wenn einem Pferd oder einem Menschen die Kehle mit einem Schwert zertrennt wird – okay. Schön ist was anderes, aber vielleicht bin ich da auch etwas zart besaitet. Wenn allerdings eine junge Frau ein riesiges, blutendes, tropfendes Herz verzehren muss oder ein Mädchen gezwungen wird, sich den aufgespießten Kopf ihres Vater anzusehen, vergeht mir endgültig der Appetit. Auch Vergewaltigungen, Verbrennungen, Verstümmelungen und andere Gewalttaten sind für mich einfach das Gegenteil von guter Unterhaltung – nennt mich altmodisch. Mit dem Sex hatte ich dagegen weniger Probleme. Ich war schließlich durch unzählige Facebook-Memes darauf vorbereitet, dass die Figuren auch vor den eigenen Verwandten keinen Halt machen würden.

Abgesehen von den unschönen brutalen Szenen gab es allerdings tatsächlich nichts, was mir überhaupt nicht gefallen hat. Aber eben auch nichts, was mich begeisterte. Die Geschichte war einigermaßen spannend, haute mich aber nicht vom Hocker. Ich baute zu keiner der Figuren Sympathien oder eine Bindung auf. Im Gegenteil, die meisten machten mich eher wütend, weil sie entweder besonders arrogant, machtsüchtig, eitel oder egoistisch handelten. Und um die wenigen anderen, für die das nicht galt, machte ich mir jetzt schon Sorgen, weil sie vermutlich früher oder später aufgrund ihrer Gutmütigkeit draufgehen würden. Sämtliche GoT-Fans schlagen vermutlich gerade die Hände über dem Kopf zusammen. Genau das sei doch das Faszinierende, das mache es doch so spannend, alles andere wäre doch langweilig.

Ich kann es mir ja auch nicht erklären! Gerade, weil ich ansonsten ein ziemlicher Mitläufer bin und einen ausgeprägten Mainstream-Geschmack habe, wundert es mich doch sehr, dass ich scheinbar zu dem einen Prozent der Weltbevölkerung gehöre, dem Game of Thrones nicht zusagt.

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Als ich nach der ersten Staffel also verkündete, dass es das nun gewesen sei, kreisten die Gespräche zwischen meinem Freund und mir noch tagelang um meine völlig inakzeptable Nichtbegeisterung. Ich – ansonsten auch recht anfällig für spannende Cliffhanger – hatte einfach nicht das Bedürfnis, zu wissen, wie es in Winterfell und Co. weitergehen würde. „Was ist los mit dir? Diese Serie ist so unfassbar gut gemacht. Die Schauspieler, die Umgebung, die Geschichte – alles!“ Das musste ich mir in diesen Tagen recht häufig anhören. Ich fand es ja auch gut gemacht (alles andere wäre bei den Produktionskosten pro Folge ja auch völlig absurd), aber es war eben nicht mein Stil, nicht mein Genre. Mein Freund argumentierte, dass das Genre doch überhaupt keine Rolle spiele bei einer so guten Umsetzung. Doch, spielt es!

Zwar befinden sich in den Reihen meiner Lieblingsserien auch für meine Verhältnisse recht düstere oder etwas tiefgründigere Exemplare wie Stranger Things, StartUp, Bates Motel und Haus des Geldes (wie gesagt – hallo Mainstream!). Aber mein natürliches Habitat sind und bleiben nun mal die seichten, fröhlichen, lustigen, rührenden, bunten Serien wie Friends, Sex and the City, The Bold Type, This is us, How I Met Your Mother, Gossip Girl und Co. Damit will ich keinesfalls meine Abneigung gegenüber Game of Thrones damit begründen, dass es keine Frauenserie ist – es lieben schließlich auch Millionen weiblicher Zuschauer GoT. Aber die Faszination, die sie und alle anderen Fans für die Show empfinden, erschließt sich mir einfach nicht. Und das schiebe ich eben doch auf meinen sehr blumigen und nur in Ausnahmen gruseligen und tiefgründigen Geschmack bei Serien. Und ein ganz klein bisschen froh bin ich auch, dass ich nun nicht wie viele GoT-Fans enttäuscht über das Ende (entweder über den Fakt, DASS es endet, oder die Art, WIE) sein muss und mit beruhigtem Gewissen behaupten kann: Ich hab’s versucht!

Noch mehr Game of Thrones? Hör dir unsere Podcast-Folge zur achten Staffel an

Dieser Artikel stellt nur die Meinung der AutorInnen dar und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von seitenwaelzer wider.

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Lotta Krüger

Neu bei seitenwaelzer und 22jährige Kommunikationswissenschaft- und Germanistik-Studentin in Münster, die nicht ohne Serien, Reisen, Festivals, Schokolade, Surfen, guten Ouzo und Sonne kann und zu diesen Dingen auch gerne ihre Erfahrungen teilt!

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