Gesellschaft und Lifestyle / Kultur und Medien

Hobbys für Buchbegeisterte. Teil 1

Du liebst Bücher? Wusstest du, dass du mit ihnen noch viel mehr Spaß haben kannst, als sie nur zu lesen?
| Marie Jakob |

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Aline Viada Prado | Pexels

Viele Menschen verbringen ihre Freizeit mit Büchern. Doch neben dem klassischen Lesen gibt es noch viele andere Hobbys für Buchbegeisterte rund um die kleinen eckigen Dinger. Vielleicht findest du in dieser Auflistung oder im zweiten Teil, der bald erscheint, eine neue Beschäftigung, die deine Liebe zu Büchern ergänzt?

Das Lesen hat viele positive Effekte: Die Erweiterung unseres Wortschatzes, das Senken von Stress und außerdem ermöglicht es uns Einblicke in andere Lebensrealitäten. Je nachdem, was wir lesen, überwiegt der eine oder andere Aspekt. Warum du fiktionale Literatur dabei nicht als minderwertig empfinden solltest, erfährst du in diesem Artikel.

Fanfiction: deine Charaktere, meine Geschichte

Kennst du das Gefühl, mit der Entwicklung einer guten Geschichte nicht einverstanden zu sein oder davon von einem offenen Ende des letzten Bandes unbefriedigt und unzufrieden zurückgelassen zu werden? Das ist dann eher ein negativer Effekt. Was also tun? Viele Fans greifen hier selbst zum Stift, oder eher in die Tastatur und schreiben alternative Enden, neue Teilstränge, andere Ausgänge und Fortsetzungen ihrer Lieblings- oder auch nicht Lieblingsgeschichten. Das nennt man Fanfiction bzw. Fan-Fiction. Und so wird aus dem negativen Effekt doch wieder etwas Positives. (Manchmal handelt es sich bei Fanfictions übrigens auch um imaginierte Geschichten über Lieblingssportler*innen oder Musiker*innen und andere Prominente.)

Romain V | Unsplash

Vielleicht ist bei dir die Frage aufgekommen, wie es mit dem Urheberrecht aussieht, wenn du dich an dem geistigen Eigentum anderer Autor*innen bedienst. Da gibt es verschiedene Meinungen, aber nur eine rechtlich bindende. Einige Urheber*innen finden es nicht gut, wenn Fans ihre Charaktere oder Welten verwenden und sprechen sich dagegen aus, andere wiederum sehen es als ein Kompliment, wenn Fans eigene Geschichten schreiben. In Deutschland gelten Fanfictions als Pastiche, also eindeutige Nachahmungen von Kunst oder Literatur. Als solche dürfen sie veröffentlicht werden solange daran nicht verdient wird.

Kritisch wird es, wenn es darin um Inhalte geht, die als Hassrede und Verunglimpfung gesehen werden. Außerdem gibt es Plattformen, die eine PWP-Regel haben. „PWP“ steht hier für „porn without plot“. Das meint, dass eine Geschichte nur mit dem Ziel, zwei oder mehr Charaktere bei sexuellen Handlungen zu beschreiben, verfasst und veröffentlicht wurde. Diese werden dann gesperrt. Auch nicht erlaubt ist das direkte Kopieren von Textteilen aus den Originalwerken.

Ansonsten steht es dir offen, worüber du schreiben möchtest. Du findest Bella hätte sich in Twilight lieber für Jacob entscheiden sollen? Dann such dir doch einen Punkt in den Büchern, wo sie anders handelt und so zu dem Werwolf findet. Oder bist du ein Fan von Dracula und willst hier eine moderne Version schreiben? Sherlock Holmes braucht einen neuen Fall, bei dem er Dr. Watson ermorden muss? Circe verbündet sich mit Ariadne? Du willst dich selbst in „Der Schwarm“ reinschreiben? Go for it!

Der neuste Trend sind Fanfictions von Künstlichen Intelligenzen (KIs). Diese sind allerdings auch nach guten Prompts (also einem textbasierten Input, zu dem eine KI einen Output generiert) sehr generisch und nicht zu vergleichen mit den Meisterwerken, die man von menschlichen Autor*innen finden kann. Mehr zum Thema KI und Autorenschaft findest du hier.

Wer nun denkt, dass Fanfictions ein modernes Phänomen sind, könnte sich irren. In der Literaturwissenschaft wird beispielsweise diskutiert, ob es sich bei „Odyssee“ um eine Fanfiction der „Illias“ handelt. Beide werden klassisch dem griechischen Dichter Homer zugeschrieben, jedoch besteht keine Einigkeit darüber, ob es Homer als Einzelperson überhaupt gab und wenn ja, ob beide Werke von ihm stammen. Vielleicht war die Geschichte rund um Odysseus eine Weitererzählung der Illias und somit eine Fanfiction. Sicher wissen können wir es nicht. Wo ihr aber sicher Fanfictions finden und veröffentlichen könnt ist zum Beispiel Wattpad, fanfiction.net und fanfiktion.de.

Tbel Abuseridze | Unsplash

Aufwand: Je nach Umfang und Vorstellungskraft ist der Aufwand mal groß und mal klein. Man kann Oneshots, also Fanfictions mit nur einem Kapitel verfassen oder ganze Epen schreiben.

Material: Stift und Papier oder ein Schreibprogramm auf einem Laptop/ Computer oder Tablet und wenn du dein Werk veröffentlichen willst ein Internetzugang, Vorstellungskraft.

Fanart: Fan-tastische Kunst

Der Fanfiction nicht unähnlich ist die Fanart. In diesem Fall handelt es sich aber um visuelle Kunst, die im Zusammenhang mit der Geschichte eines (Lieblings-)buches steht. Auch hier sind die Möglichkeiten riesig: Manche Künstler*innen zeichnen Figuren aus ihrem Lieblingsuniversum, übersetzen Szenen aus der Handlung in ein Bild oder erfinden ganz neue Situationen. In Kombination mit Fanfictionautor*innen kann es sogar zu Comics und Graphic Novels kommen, die auf unterschiedlichen Plattformen veröffentlicht werden. Nicht selten gibt es hier sexuelle Inhalte.

Auch für die Fanart gilt, dass mit ihr kein Geld verdient werden darf, wenn es sich um Figuren handelt, an denen jemand anderes die Rechte hat. Jedoch gibt es mittlerweile das Phänomen der Lizensierung. Im Falle der Bücher der Autorin Sarah J. Maas beispielweise können Künstler*innen Lizenzen erwerben, durch die sie dann Kunst und Merchandise rund um die Universen der Bücher verkaufen dürfen. Andere haben einfach nur Freude an der Kunst.

Plattformen, auf denen du deine Kunst veröffentlicht kannst, sind natürlich Instagram oder TikTok, aber auch DeviantArt oder Pinterest. Lass dich nicht entmutigen, wenn du dich dort umsiehst. Viele Künstler*innen sind schon jahrelang dabei und präsentieren, was sie draufhaben. Aber auch Anfänger*innen bekommen Tipps und positiven Zuspruch. Doch wie überall, wo Kommentare möglich sind, gibt es auch Hater. But haters gonna hate. Und Übung macht Meister*innen! Generell solltest du dich bei anderen nur inspirieren lassen und dich nicht vergleichen. Das gilt für jedes Hobby (außer vielleicht für Wettbewerbssport). Zeichne doch, wie du dir Aelin aus Throne of Glass vorstellst oder eine Version von Gandalf als Business-Mann. Tob dich aus!

Auch bei der Fanart gibt es mittlerweile KI generierte Bilder. Diese sind tatsächlich beeindruckend. Einige Künstler*innen haben sich komplett auf KI spezialisiert und entlocken den verschiedenen KIs richtige Kunstwerke. Doch hier wird sich noch zeigen müssen, wie es mit der Urheberschaft aussieht.

Aufwand: Hier gilt wieder, dass du entscheiden kannst, wie aufwändig deine Kunst wird. Manche veröffentlichen mit wenigen Strichen ein Comic und andere sitzen tagelang an digitaler Kunst, die so real wirkt, dass man sie für ein Foto hält.

Material:  Laptop/ Computer/ Tablet, ein digitales Zeichenprogramm, Malutensilien und wenn du es veröffentlichen willst einen Scanner, Übung.

Farbschnittmalerei: Rücken vs. Bauch

Es geht künstlerisch weiter. Ein Trend, der nicht zuletzt durch TikTok groß geworden ist, ist der Farbschnitt. Wenn du ein geschlossenes Buch in den Händen hältst, dann ist all das, was nicht vom Einband bedeckt ist, der Schnitt, also der Teil wo die Seiten aufhören. Im Fachjargon heißt dies „Buchblockkanten“. In den Augen kreativer Menschen ist dies eine große ungenutzte Fläche.

Mittlerweile gibt es Sammeleditionen von Büchern, die goldene, bunte oder sogar figurativ bemalte Schnitte besitzen. Das bietet im Bücherregal ein wenig Abwechslung. Sammler*innen präsentieren dann nicht den Buchrücken, sondern den kunstvollen Schnitt. Ganz nach dem Motto „Ein schöner Rücken kann entzücken, aber ein bunter Bauch tut es auch“.

Emily | Pexels

Wer selbst sein Lieblingsbuch oder zu Beginn erstmal als Übung den alten Schinken vom Flohmarkt bemalen will, kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Künstler*innen zeigen online, wie sie ganze Szenen des Hobbits auf den Schnitt des Buches gemalt haben oder führen das Cover einfach über den Rand des Einbandes fort. Bei manchen sieht es aus, als würden die Monster der Geschichte aus dem Buch ausbrechen, bei anderen bleibt die Gestaltung dezent. Auch eine einzige Farbe oder ein Farbverlauf sehen toll aus. Du hast also viele Möglichkeiten. Ein Notizbuch mit selbstbemaltem Schnitt ist außerdem ein schönes persönliches Geschenk. Oder du hübschst deine alten Lieblingsbücher etwas auf, die vielleicht schon die ein oder andere Verfärbung aufweisen.

Marie Jakob

Anleitungen findest du zum Beispiel bei Youtube und in Büchern. Eine Empfehlung ist „Painted Edges: Buchschnitt gestalten mit Watercolor“ von Hanna Kiel, herausgegeben von Frech.

Aufwand: Je nach Anspruch an das eigene Werk kann hier der Aufwand geringgehalten werden. Ein einfarbiger Schnitt ist schneller gemalt als gedacht. Doch wenn ihr den Drachen Saphira auf den ersten Band der Eragon-Reihe malen wollt, werdet ihr etwas Zeit brauchen. Jedoch nimmt die Vorbereitung des Buches auf die Prozedur immer ein wenig Zeit in Anspruch.

Material: Wasserfarben, gute Pinsel in verschiedenen Größen, Fixierspray für Wasserfarben, eine Buchpresse oder zwei Frühstücksbrettchen und zwei Klemmen, ein Wasserbehälter, Papier, Klebefilm, Übung und Ideen.

Das war eine erste Auswahl an Hobbys, die für dich als buchbegeisterte Person eventuell dein Lieblingshobby ergänzen könnten. Hast du Lust das ein oder andere auszuprobieren? Falls noch nicht das Richtige dabei war, dann kannst du dich auf Teil 2 freuen!

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Marie Jakob

Marie studiert Strategische Kommunikation in Münster. Die Liebe zum „Schreiben“ besteht seit dem ersten Kontakt mit einem Stift, auch wenn die Ergebnisse anfangs noch in Form von abstrakten Zeichen seitens der Kritiker*innen kontrovers diskutiert wurden. Jetzt werden maximal noch die Themen, für die sie sich interessiert, kontrovers diskutiert: Philosophie, Politik, Diversitäts·sensibilität und Dog Content.

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