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Abi - und dann? / Auf ins Studium

Studium der Wirtschaftspsychologie

Warum tun Menschen, was sie tun?

Das ist eine Frage, die ich mir schon so oft in meinem Leben gestellt habe. Warum mögen wir manche Menschen und andere nicht? Warum kaufen sich Leute hässliche Trend-Schuhe? Warum bin ich in Klausurenphasen immer so gestresst? Warum machen, denken, fühlen Menschen eben so, wie sie es tun? Diese Fragen beschäftigten mich während meines Abiturs und diese Fragen beschäftigen mich noch heute.

Ich studiere Wirtschaftspsychologie und habe daher gleich zwei Studienfächer gelernt, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Kostenrechnung, Unternehmensführung und Buchhaltung stehen Sozialpsychologie, Empirische Forschungsmethoden und Organisationsdiagnostik gegenüber. Wie passt das zusammen? Manchmal gar nicht und manchmal wie die Faust aufs Auge. Die allgemeine Psychologie beschäftigt sich mit dem Erleben und Verhalten des Menschen und die Wirtschaftspsychologie speziell schaut sich diesen Menschen im Kontext der Wirtschaft an.

„Wie und was konsumieren Menschen?“, „Wo und wie arbeiten Menschen am besten und unter welchen Bedingungen?“, „Wie viel leisten sie?“, „Wie zufrieden sind sie?“.

Im Grunde genommen kann man die reine Psychologie nicht von der Wirtschaftspsychologie trennen, weil sich die Wirtschaftspsychologie auch mit allen Menschen beschäftigt. Denn wir alle – ob wir wollen oder nicht – sind Teil einer Konsumgesellschaft und Teil eines Wirtschaftssystems. Womit sich die “Wipsy” jedoch nicht beschäftigt, ist die klinische Psychologie, also die Therapie von Krankheiten und Störungen. Doch warum musste ich mich dann durch so ätzende Fächer, wie Investition und Finanzierung quälen? Tja nun, das habe ich mich zwischenzeitlich auch gefragt. Aber jetzt, am Ende meines Studiums, sehe ich den Sinn. Ein Unternehmen muss wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen treffen und ich muss das als Wirtschaftspsychologin verstehen und unterstützen. Ganz egal, ob ich eine Rückenschule etablieren oder ein Assessment Center für meine Kandidatenauswahl entwickeln möchte: Ich muss mein Vorhaben begründen und dem Unternehmen zeigen, dass es wirtschaftlich sinnvoll ist und im besten Fall sogar den Umsatz steigern wird. Außerdem ist mit dem Studium auch eine Spezialisierung auf den Bereich Marketing möglich, bei der es besonders um die Verkaufs- und Werbepsychologie geht. Da ist der Bezug zu Verkaufszahlen und Umsätzen viel näher.

Ich muss gestehen, dass die ersten drei Semester teilweise hart waren. Ich hatte einfach noch nicht verstanden, wie ich richtig studiere und habe eher mittelmäßige Noten kassiert. Durch die ganzen BWL-Fächer habe ich mich durchgebissen und habe mich mit meiner Begeisterung für die Psychologie-Vorlesungen motiviert. Im vierten Semester bin ich dann, weil es bei uns an der Fachhochschule zum Lehrplan gehört, ins Ausland gegangen. Istanbul – war das aufregend! Der Lehrplan hat mir dort sehr viel besser gefallen, weil ich meine Kurse selbst wählen durfte und einen viel entspannteren Stundenplan hatte. Ich habe dort reine Psychologiekurse besucht, wissenschaftlich gearbeitet und in einem Kurs über Enterpreneurship hilfreiche Grundlagen zur Unternehmensgründung gelernt. Mir gefiel auch das Prüfungssystem sehr viel besser. Es gab Zwischenprüfungen, Quizzes, Präsentationen und Hausarbeiten, die während des Semesters bewertet wurden. Dadurch war die Abschlussprüfung plötzlich nicht mehr so stark gewichtet und ich war viel entspannter, weil ich auch während des Semesters schon viel mehr gelernt hatte, statt zwei Wochen des Bulimie-Lernens. Die Bilgi-Universität und die Stadt Istanbul waren ein absoluter Glücksgriff und ich würde es genauso wieder machen!

Zurück in Deutschland begann nun der Endspurt für mich. Das letzte Jahr meines Bachelors begann und ich habe die Spezialisierung Arbeits- und Organisationspsychologie gewählt. Dabei liegt der Fokus auf dem Individuum im Unternehmen.

„Wie sollte ein Arbeitsplatz gestaltet sein?“, „Wie arbeiten Teams am effektivsten?“, „Wie kann ich meine MitarbeiterInnen gesund, zufrieden und produktiv halten?“

Aber auch das Human Ressource Management gehört dazu, welches sich mit Fragen aus dem Personalwesen beschäftigt.

„Wie wählen wir die geeigneten Personen für unsere Stellen aus?“, „Wie sollte die Arbeitsleistung vergütet werden?“, „Wie können wir auch langfristig qualifizierte Arbeitskräfte gewinnen?“

Hier habe ich wieder den Sinn der BWL-Grundlagen aus dem Grundstudium erkannt: Der Arbeitsmarkt unterliegt den gleichen Regeln von Angebot und Nachfrage, wie auch der Gütermarkt und ich war froh, dass ich damals in Makroökonomie gut aufgepasst hatte.

Nun bin ich mit meinem Studium fertig und kann sagen, dass Wirtschaftspsychologie die absolut richtige Entscheidung für mich war. Obwohl mir nicht alle Fächer leichtgefallen sind oder Spaß gemacht haben, habe ich nicht eine Sekunde gezweifelt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Im Großen und Ganzen war ich immer zufrieden und habe meine Leidenschaft gefunden. Kinder, wie gut sich das gut anfühlt!

Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, das Berufsleben durch Praktika auszuprobieren und auf jeden Fall einen Master zu machen, weil ich gerne studiere und auch mit der wissenschaftlichen Karriere liebäugle. Doch dazu muss ich mir erst einmal Gedanken machen, wie genau mein weiterer Werdegang aussehen soll und diese Gedanken mache ich mir während einer ausgiebigen Reise durch Lateinamerika.

Mehr Informationen zu den Möglichkeiten nach dem Abitur gibt es in unserem E-Book „Abi – und dann?„.

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Amelie Haupt

Ahoi! Auf meinem Weg durch die Welt schreibe ich über das was mir so passiert oder mir in den Sinn kommt. Viel Spaß mit diesen weltbewegenden Erkenntnissen!

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