Kultur und Medien / Meinung

Glühwein und Nächstenliebe

Als ich jünger war, fand ich den Advent blöd. Vier Wochen sind eine sehr lange Zeit für Kinder und jeden Morgen, wenn ich ein neues Türchen an meinem Adventskalender öffnete, schienen mich die noch geschlossenen Kläppchen auszulachen. Für mich zählte nur der Moment, in dem sich endlich die Wohnzimmertür öffnete und ich meine Geschenke aufreißen konnte. Ich war ein sehr materialistisches Kind!
| Charlotte Post |

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Robin Thier

Als ich jünger war, fand ich den Advent blöd. Vier Wochen sind eine sehr lange Zeit für Kinder und jeden Morgen, wenn ich ein neues Türchen an meinem Adventskalender öffnete, schienen mich die noch geschlossenen Kläppchen auszulachen. Für mich zählte nur der Moment, in dem sich endlich die Wohnzimmertür öffnete und ich meine Geschenke aufreißen konnte. Ich war ein sehr materialistisches Kind!

Und heute? Heute liebe ich ausgedehnte Spaziergänge über den Weihnachtsmarkt, inklusive einer Tasse Kakao (das beste Mittel gegen kalte Füße). Schon im November plane ich mit Freunden, wann das nächste Mal Plätzchen gebacken werden und natürlich darf auch ein Filmabend mit klassischen Weihnachtsfilmen nicht fehlen.

Die Bezeichnung des Advents kommt von dem lateinischen Begriff: Adventus, was so viel heißt, wie „Ankunft“. Im christlichen Glauben ist der Advent also die Zeit, in der sich die Menschheit auf die Ankunft von Jesus Christus vorbereitet. Diese Vorbereitung zeichnete sich bis 1917 vor allen Dingen durch eines aus: Vom 11. November bis zum 6. Januar (dem früheren Feiertag der Erscheinung Christi) wurde gefastet! All die Leckereien wie Vanillekipferl, Lebkuchen, Schokonikoläuse oder Spekulatius, die heutzutage ganz selbstverständlich zum Advent dazugehören, waren also verboten. Eine Regelung, die dem ein oder anderem beim Blick auf die Waage im Januar vielleicht ganz recht, allerdings höchst ungewöhnlich wäre. Der erste Adventssonntag ist übrigens auch der Beginn eines neuen Kirchenjahres in der römisch-katholischen Kirche.

Auch der wohl bekannteste Adventsbrauch hat einen religiösen Ursprung: der Adventskranz soll mit seinen vier Kerzen auf das Licht erinnern, das Jesus bei seiner Geburt mit in die Welt brachte. In der katholischen Kirche hat sich inzwischen die Ansicht entwickelt, dass jede der vier Kerzen eine ganz eigene Bedeutung hat: Sie symbolisieren jeweils Glaube, Hoffnung, Liebe und Frieden.

Problematisch ist heutzutage aus Sicht der Kirche vor allen Dingen die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes: Lebkuchen, die schon Mitte September in den Supermarktregalen stehen oder die bunte, fast schon kitschige Dekoration in den Kaufhäusern. Dies alles steht nicht gerade in der kirchlichen Tradition dieser Zeit und lenkt von den eigentlichen Grundwerten des Weihnachtsfestes wie z.B. Nächstenliebe ab. Es ist völlig in Ordnung, diese wunderschöne Zeit in allen Zügen zu genießen. Aber man sollte über all das Plätzchen backen, Geschenke kaufen und Glühwein trinken nicht vergessen, dass es auch genug Menschen gibt, die diese Zeit aus den verschiedensten Gründen nicht genießen können und versuchen, ihnen zu helfen oder sie zu unterstützen. Dies kann schon durch kleine Gesten passieren. Nur wenn der Aspekt der Nächstenliebe nicht völlig aus der Vorweihnachtszeit verdrängt wird, kann das Weihnachtsfest für alle die dafür vorgesehene Wirkung entfalten.

Dieser Artikel stellt nur die Meinung der AutorInnen dar und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von seitenwaelzer wider.

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