Kino & Serie / Rezension

Bella Brutalia – Review „The Equalizer 3“

Idyllisches Italien, brutale Gerechtigkeit: Denzel Washington säubert als Equalizer ein kleines Küsten-Städtchen von der Mafia. Seine Suche nach Frieden tränkt die Straßen mit Blut.
| Daniel Rublack |

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Mann hat Hand von anderem Mann in schmerzhaftem Griff© 2023 Sony Pictures Entertainment Inc.

Sonne, Tee, lachende Menschen. Das kleine Städtchen an der Amalfiküste in Italien ist einfach bezaubernd. Altamonte kann die neue Heimat eines geschundenen, ruhelosen Mannes werden. Ein Ort der Freude, ein Ort des Friedens. Aber ein Krebsgeschwür namens Camorra – Mafia – verdunkelt den Himmel.

Recht und Unrecht

Robert McCall hilft als Equalizer denen, die sich nicht selbst helfen können. Er kämpft für jene, die vom System im Stich gelassen, verraten wurden. Und er bestraft jene, welche der Gerechtigkeit bisher entkommen konnten.

Dieser Mann wandelt zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Gut und Böse. Einerseits ist er ein eiskalter Killer, der brutale Selbstjustiz verübt. Andererseits sorgt er so als gnadenloser Racheengel für ausgleichende Gerechtigkeit, wenn das System dabei versagt.

The Equalizer ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Wenn ein Film ein Gemälde sein könnte, wäre es The Equalizer. Denzel Washington brilliert dabei als gebrochener Mann, der der Gewalt abgeschworen hat. Aber das Unrecht um ihn herum kann er einfach nicht ertragen. So tut er etwas dagegen, weil er es kann. Es ist eine Geschichte voller Herz und Hass. Tiefsinnige Dialoge wechseln sich mit messerscharfen Drohungen ab. Immer wieder wird McCall gezwungen, seine dunkle Seite auszuleben. Die Gewalt ist realistisch, stumpf und brutal. Optisch erzeugt Regisseur Antoine Fuqua einzigartige, innovative Bilder. Der mal feinfühlige, dann wieder schlicht brachiale Soundtrack krönt diese Achterbahnfahrt.

The Equalizer 2 bietet weniger davon. Die Geschichte ist einfallsloser, generischer. Der interessante Ansatz, vollkommen Fremden zu helfen, weicht einer persönlichen Vendetta. Auf einen bedrohlichen Schurken folgt ein schwächerer Fiesling. Visuell gibt es weniger Wow-Momente. Aber der Streifen funktioniert: Dem Wunsch nach Gerechtigkeit, gepaart mit einer gewissen Blutgier, wird Genüge getan. Tiefsinnige Dialoge sind vorhanden, offen ausgesprochene Drohungen sorgen für Gänsehaut. Im letzten Drittel wird die Handbremse gelöst. Das Finale ist phänomenal, der Equalizer tobt im tosenden Sturm. Gerechtigkeit wird mit kalter Klinge serviert.

Ein düsteres Kapitel

The Equalizer 3 erzählt das nächste Kapitel – und ändert die Regeln, sogar das gesamte Spiel. Für mich ist das fern vom bisherigen Franchise, etwas Neues. Dieser McCall ist der böse, fiesere Bruder von Robert. Und Robert ist schon jemand, mit dem man sich nicht anlegen sollte.

Stehender Mann schaut grimmig nach unten

Robert hat bislang immer versucht, seinen Gegnern eine Wahl zu lassen. Er bedauerte, Gewalt anwenden zu müssen. Dieser McCall in Italien jedoch ist beinahe sadistisch. In seinen Augen zeigt sich Genuss, wenn er den Tod bringt. Einzelne Szenen sind schon mehr Horror als Action. Wo die Vorgänger schon eine düstere Stimmung haben, ist das hier noch eine Stufe grimmiger. Der bisher schon hohe Gewaltgrad legt noch eine Schippe drauf.

Ich persönlich bevorzuge den bisherigen Robert. Um diesen in Erinnerung zu halten, ziehe ich eine klare Grenze nach dem zweiten Teil. Aus diesem Blickwinkel – mit dem neuen McCall – funktioniert The Equalizer 3 gut. Böse Menschen erfahren auf brutale Art und Weise ihre gerechte Strafe. McCall lacht tags mit den netten Italienern, während er nachts die fiesen Mafiosi abschlachtet.

Eine malerische Stadt

Ein Großteil von The Equalizer 3 ist schönster Italien-Urlaub: tolles Essen, schnuckelige Gässchen, herzliche Einheimische – gelassen, geborgen. Denzel Washington lernt das Leben an der Amalfiküste kennen und schätzen. Dort trinkt er Tee, kauft frischen Fisch oder genießt nette Gespräche. Diese entspannte Atmosphäre macht richtig Spaß. Altamonte ist als Stadt ein eigener, sehr sympathischer Charakter.

Dieses intensive Kennenlernen ist ein cleverer, sehr effektiver erzählerischer Kniff. Es stärkt den Wunsch, dass Robert dort seinen Frieden findet. Und es befeuert den Drang, dass McCall dort für Frieden sorgt. Spannung mischt sich so mit Vorfreude, wenn McCall böse Menschen bei ihrem Treiben beobachtet. Es ist ja klar, wie es für sie ausgehen wird.

Mann steht vor Küste, andere Mann steht mit Rücken zu ihm
© 2023 Sony Pictures Entertainment Inc.

Die Bösewichte sind dabei denkbar einfach gehalten: Sie sind halt schlicht böse. Einige sehr miese Missetaten lassen die eigene Wut steigen, die McCall dann ausleben wird. Darauf freut man sich, das haben diese Drecksäcke verdient! Ihr blutiges Ende führt zu persönlicher Zufriedenheit – die Gerechtigkeit siegt.

Die Nebengeschichte rund um die CIA und irgendwelche Drogen ist dabei vollkommen egal. Ohne sie wäre die Laufzeit lediglich kürzer. Kontext braucht es kaum, wenn es einfach nur ein Blutbad sein soll. Die große Wiedervereinigung von Dakota Fanning und Denzel Washington nach Mann unter Feuer (2004) entpuppt sich daher schnell als Werbetrick: Ein Rachefilm grüßt den anderen. Dieser ganze Teil hat keinen Mehrwert für den Film – stört allerdings auch nicht. Von daher bedarf es keiner weiteren Worte.

Der dunkle Ritter

Denzel Washington ist und bleibt das absolute Zentrum des Films. Dabei hat er eine interessante Wahl getroffen: Robert McCall ist bis heute die einzige Figur, welche er mehrmals gespielt hat. Ansonsten hat der Weltstar – trotz seiner langen Karriere – tatsächlich keine einzige Fortsetzung gedreht.

Sein Equalizer ist weniger vielschichtig als seine Vorgänger. Viele Dinge sind geblieben: der charmante Umgang mit Menschen, herzliche Dialoge, seine durchaus sympathischen Zwänge. Aber dieser McCall ist frostiger, stumpfer. Er handelt schneller. Er scheint mit seinem brutalen Vorgehen mittlerweile im Reinen zu sein.

Mann mit Pistole in der Hand
© 2023 Sony Pictures Entertainment Inc.

Messerscharfe Dialoge führt er gewohnt voll kalkulierter Finesse. Dabei ist weniger Bedauern zu sehen, viel mehr funkelt der Zorn in seinen Augen. Ob er ein guter oder ein böser Mann sei, wisse er nicht. Nach Erlaubnis für sein gewalttätiges Handeln fragt er in diesem Teil allerdings nicht mehr.

So verschwimmt die bisher klare Grenze von Schwarz und Weiß – McCall ist nicht mehr nur der edle Ritter, der im Dreck watet. Diese neue, bedrohlichere Facette verkauft Denzel Washington mehr als glaubhaft. Selten schaute er so grimmig, so eiskalt. Diese Wandlung kommt – für Fans der Vorgänger – wohl unerwartet. Interessant ist sie auf jeden Fall.

Jene alten Methoden

Optisch verlässt The Equalizer 3 seine gewohnten Routen. Leider, denn die einzigartigen Bilder haben den ersten Teil zu etwas Besonderem gemacht. Dennoch bleibt eine gute, aber eben keine herausragende Inszenierung. Schöne Landschaftsaufnahmen begeistern, der italienische Flair sprüht aus jeder Faser. Zumindest die bekannten Schattenbilder werden aufgegriffen und sorgen für eine bedrohliche Ausstrahlung McCalls, der dann vor allem im Dunkeln sein blutiges Handwerk verrichtet.

Dabei bleibt die Kameraführung ausgesprochen ruhig. Mancher Action-Streifen ist ein wahres Schnitt-Massaker, hier ist alles angenehm übersichtlich. Besonders der One-Take – ohne einen Schnitt – zu Beginn ist handwerkliche Kunst. Aber auch die weiteren Action-Szenen liefern einige coole Aufnahmen.

Mann sitzt grimmig schauen auf einem Stuhl in Weinkeller, vor ihm stehen zwei bewaffnete Männer

Beim Sound verlässt The Equalizer 3 endgültig bekannte Pfade. Das bekannte Musik-Thema aus den Vorgängern ist komplett abwesend. Der neue Score passt jedoch gut zum geänderten Grundton. Einerseits ertönt fröhliche, zur lockeren Urlaubsstimmung und besonders zu Italien passende Musik. Andererseits dröhnen harte, aggressive Gitarren-Riffe in finsteren Momenten. Mancher Klang entspringt eher dem Horror-Genre.

Rohe Gewalt wird entsprechend roh vertont. Schrotflinten knallen laut, Fahrzeuge rammen Menschen mit dumpfen Krachen, Messer schlitzen Kehlen geräuschvoll auf. Angesichts des Härtegrades passt das ins Gesamtkonzept.

Schön ist, dass viele Eigenheiten von Robert McCall wieder aufgegriffen werden. So entsteht etwas unerwartet ein netter Fan-Service. Geld muss selbstverständlich exakt beziffert werden, die Armbanduhr gehört aktiviert und der Ehering muss mit Feuereifer gereinigt werden. Etliche Anspielungen verbinden das Werk mit seinen Vorgängern. Damit wird der Streifen seinem deutschen Zusatztitel – The Final Chapter – gerecht. Der Kreis schließt sich.

Das brutale Gemetzel

Andere Action-Streifen haben einen bekannten Helden. Sein Ruf eilt ihm voraus, sein Name ertönt voller Ehrfurcht: John Rambo, Jason Bourne, John Wick. Ihre Filme haben einen hohen Bodycount. Namenlose Schergen sterben reihenweise. In der Masse geht die gewisse Härte dabei regelmäßig verloren.

Robert McCall hingegen wird stets unterschätzt: Was will der unscheinbare Opa schon machen? Gerade deswegen kommt der Equalizer deutlich brutaler daher. Seine Aktionen kommen für die Gegner unerwartet, alltägliche Gegenstände werden zu Waffen umfunktioniert. Jede Tötung wird dabei fast schon zelebriert. Viele blutige Resultate werden detailliert gezeigt.

Mann richtet Pistole auf anderen Mann und schaut grimmig
© 2023 Sony Pictures Entertainment Inc.

The Equalizer 3 folgt dieser Route. Der Streifen ist brutal. Echt brutal! Diese Wirkung wird nicht mit der vergossenen Menge Blut erzielt. Die Gewalt wirkt aufgrund der realistischen Situationen stumpfer, roher und eben brutaler. Dunkle Gassen, wenige Gegner – so ein Szenario kann ein trainierter Krieger wie McCall für sich entscheiden. Dabei nutzt er, was gerade verfügbar ist: Flasche, Hackebeil, Schürhaken.

Fieslinge werden ungebremst überfahren, Schrotflinten genussvoll in Gesichter gefeuert oder Messer schwungvoll in Körper gerammt. Handgemachte Wunden überzeugen dabei mit blutigen Details. Die Kamera hält voll drauf, wenn der amerikanische Racheengel italienische Gangster ihrem Schöpfer vorstellt.

Insgesamt hätte es aber noch mehr handfeste Action sein können. Der Anfang stimmt sehr gut auf den hohen Gewaltgrad ein. Zwischendurch gibt es einzelne Gewalt-Szenen. Das Finale fällt dann leider recht kurz aus. Das Stadt-Setting hätte hier noch mehr Potenzial geboten. Allerdings ist Denzel Washington auch schon beinahe 70 Jahre alt. Die vorhandene Action kaschiert das mit geschickten Einstellungen, etwa besagten Schattenbildern.

Der Film lebt aber natürlich auch von seiner verbalen Gewalt: Messerscharfe Dialoge mit offen ausgesprochenen Drohungen bieten ausreichend Nervenkitzel. Der Blick von McCall genügt schon, um das gnadenlose Ende der Mafiosi kommen zu sehen.

Das Fazit

The Equalizer 3 bietet weniger Action als erwartet. Stattdessen begeistern vor allem das frische Italien-Setting und eine ruhig aufgebaute Geschichte. Inszenatorisch geht Regisseur Antoine Fuqua neue Wege: Optisch fehlen leider die einzigartigen Wow-Momente, aber der Streifen bietet trotzdem noch schöne Bilder. Der bekannte Soundtrack weicht neuen, teilweise sehr düsteren Klängen. Wenn der Equalizer zupackt, wird es sehr brutal. Der Gewaltgrad ist hoch, die Wunden sind feines Handwerk.

Der Streifen ist kürzer als seine Vorgänger – eher untypisch für eine Fortsetzung. Dadurch ist das Tempo sehr angenehm und kurzweilig. Der Wechsel von leichter Urlaubsstimmung und grimmigen Gewaltexzessen gelingt fließend.

Mann kniet mit Messer in der Hand und schaut grimmig
© 2023 Sony Pictures Entertainment Inc.

The Equalizer 3 funktioniert. Fans der ersten beiden Teile bekommen mehr von dem, was sie mögen: einen starken Denzel Washington in brutalem Rache-Modus. Wer neu in das Franchise einsteigt, kann sich über Sonne, Tee und lachende Menschen in Italien freuen – und einen gnadenlosen Racheengel, der für Gerechtigkeit sorgt.

Sowohl von der Inszenierung her als auch vom Charakter ist das für mich ein anderer Equalizer. Der erste Teil bleibt mein Favorit. The Equalizer 3 überzeugt mich dennoch als eigenständiger Film, der neue Wege geht.

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